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Aufklärung des Wesens der Weltarmut des Tieres

Weise der Orientierung der Biene und ihres Benehmens im Sinne der Ausführung der Heimkehrfähigkeit.

Wie sehr die Richtung, Rückflugrichtung und Winkel durch die Biene in der Benommenheit von der Sonne aufgenommen werden, zeigt ein weiterer Versuch. Wenn man z. B. das Kästchen, in dem die Biene gefangen gehalten ist, inzwischen zum Stock zurückträgt und in einiger Entfernung hinter dem Stock aufstellt, dann fliegt das freigelassene Tierchen in der Richtung, in der es, vom Futterplatz aus, den Stock zu suchen hätte, obwohl der Stock verhältnismäßig nahe ist, und zwar wieder die bestimmte Strecke. Das geschieht allerdings nur dann, wenn der Stock in einem öden Gelände steht. Wo dagegen die bekannte Umgebung mit Bäumen und Häusern bestanden ist, da folgt sie diesen als Wegmarken und überläßt sich nicht dem Richtungstrieb.


b) Allgemeine Charakteristik des Benehmens: Benommenheit als Genommenheit jeglichen Vernehmens von etwas als etwas und als Hingenommenheit-durch. Ausgeschlossenheit des Tieres aus der Offenbarkeit von Seiendem


Wir werden solche Versuche nicht hoch genug einschätzen können und nicht daran denken, die gegebene Erklärung vorschnell mit jener gewöhnlichen philosophischen Überklugheit zu bemängeln. Vielmehr gilt es, den durch die Versuche vorgeführten und erhellten Tatbestand vor das wesentliche Problem zu bringen.

Was geht in diesem Treiben vor sich, was sagt es uns über das Benehmen des Tieres und die behauptete Benommenheit? Wenn man sagt: Die Biene merkt sich den Sonnenstand, Winkel und Länge der Flugstrecke, dann ist zu bedenken, daß das Sich-merken – von anderem abgesehen – immer ein Sich-merken von etwas für etwas, in Absicht auf etwas ist – hier in Absicht auf das Zurückfinden zu dem an einer bestimmten


Martin Heidegger (GA 29/30) Die Grundbegriffe der Metaphysik