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Thematische Exposition des Weltproblems

von Seiendem. In der Aussage liegt zwar ein Wahrsein oder Falsch.sein, ja, sie ist sogar die Form, in der sich Wahrsein und Falschsein gemeinhin ausdrücken und in der sie weitergegeben und mitgeteilt werden. Aber daraus folgt ganz und gar nicht, daß Aussagewahrheit die Grundform der Wahrheit ist. Freilich, um das zu sehen, gilt es, einen tieferen Einblick in das Wesen der Wahrheit zu nehmen, den wir im Verlauf der weiteren Betrachtung noch gewinnen werden. Entzieht man sich dieser Aufgabe und bleibt man von vornherein bei irgendeiner dogmatischen Meinung dessen, was wahr heißen soll, kann man in der Tat unwiderleglich beweisen, wie es heute immer wieder geschieht, daß das Urteil der Träger der Wahrheit sei. Wenn man von vornherein sagt: wahr ist, was gilt, und weiterhin: Gültiges ist nur da, wo ich anerkenne, und Anerkennung ist Ausdruck und Grundakt der Bejahung, und die Bejahung ist die Grundform des Urteils, dann steht Wahrheit als Gültigkeit in einem Zusammenhang mit dem Urteil als Bejahen. Das ist gar nicht zu widerlegen. Aber die Frage ist: Ist das Wesen der Wahrheit Gültigkeit, oder ist diese Charakteristik der Wahrheit als Gültigkeit und Gelten nicht die äußerlichste und oberflächlichste Interpretation, auf die nur der gesunde Menschenverstand im Sinne des vulgären Denkens geraten kann und muß? Daß das so ist, werden wir nachher einsehen lernen.

Der λόγος ἀποφαντικός als Aussage ist gewiß in der Möglichkeit des Wahrseins oder Falschseins, aber diese Art des Wahrseins, Offenbarwerdens, gründet in einer Offenbarkeit, die wir, weil sie vor der Prädikation und Aussage liegt, bezeichnen als vorprädikative Offenbarkeit oder besser als vorlogische Wahrheit. Logisch ist hier in einem ganz strengen Sinne genommen, nämlich den λόγος ἀποφαντικός in der interpretierten Form betreffend. Mit Bezug auf diesen gibt es eine Offenbarkeit, die vor ihm liegt, und zwar vor ihm in dem bestimmten Sinne, daß diese ursprüngliche Offenbarkeit die Möglichkeit ·des Wahrseins und Falschseins des λόγος begründet, ihm gründend vorausliegt.


Martin Heidegger (GA 29/30) Die Grundbegriffe der Metaphysik