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Diesinnliche Gewißheit

bemühen, und das heißt zuvor, daß wir es überhaupt auf die Erörterung der Frage ankommen lassen, wo und wie diese Auseinandersetzung notwendig, d. h. aus inneren Gründen des Daseins und damit der Sache der Philosophie selbst, einzusetzen hat.

Wir suchen diese Wegkreuzung der Auseinandersetzung im Seinsproblem als der Leit- und Grundfrage der Philosophie. Und es erhebt sich die Frage, ob das Sein in seinem Wesen endlich ist und ob und wie diese Endlichkeit von Grund aus in die Problematik der Philosophie eingesetzt werden muß, so daß die Endlichkeit keine Eigenschaft ist, die am Seienden gleichsam nur herumlungert und dann zuweilen aufgegriffen wird. Oder — so ist dieselbe Frage auch zu fassen — ob die Unendlichkeit des absoluten Wissens die Wahrheit des Seins bestimmt und so alles Endliche in sich schon aufgehoben hat, so daß alles Philosophieren nur in diesem Aufheben und als solches Allfheben sich bewegt, d. h. Dialektik ist. Es erhebt sich diese Frage — genauer: Sie hat sich noch nicht erhoben und ist erst zu erheben — als die Fragwürdigkeit, die unergriffen die bisherige Metaphysik, wenn auch mehr äußerlich und auf kurze Strecken, bewegte. Denn daß man seit langem endliches Seiendes und unendliches Seiendes — ens finitum und ens infinitum — mit mehr oder weniger Glück unterscheidet, beweist ja gerade, daß die Frage nach dem Wesen des Seins in der Indifferenz bleibt.

Die so angesetzte Auseinandersetzung mit Hegel ist nicht nur sachlich-geschichtlich notwendig, sondern zugleich fruchtbar, weil für ihn die Unendlichkeit des Seins kein formales Prinzip bleibt, sondern ebensowohl aus einer Grunderfahrung des Seienden im Ganzen erwächst, als auch die innere Verbundenheit mit der eigentlichen Überlieferung der abendländischen Philosophie bewahrt.


Martin Heidegger (GA 32) Hegels Phänomenologie Geistes

GA 32