Grundirrtum ist auch die Konstruktion W. Jaegers über Aristoteles aufgebaut.)
Und so erhebt sich jetzt erst die entscheidende Frage: Welches ist die Art der Einheit, in der dieses weitere πολλαχῶς zusammengehalten ist (d. i. τό ὃν xath τά σχήματα τής κατηγορίας, κατά δύναμιν η ένεργειαν, ώς άληθές I) ψεΰδος, κατά συμβεβηκός)? Ist auch hier die Einheit eine solche der Analogie? Und wenn ja, was ist dann das πρώτον ὃν, πρός δ τά τέτταρα λέγεται? Was ist darin die φύσις τις, das von sich her sich Bestimmende und Waltende? Hier wird alles dunkel. Wir finden nur immer die aufzahlende Nebeneinanderstellung und daneben die Behauptung: Das ὃν hat zu seiner Vielfachheit die Einheit der Analogie.
Die Analogie des Seins — diese Bestimmung ist keine Losung der Seins frage, ja nicht einmal eine wirkliche Ausarbeitung der Fragestellung, sondern der Titel fur die härteste Aporie, Ausweglosigkeit, in der das antike Philosophieren und damit alles nachfolgende bis heute eingemauert ist.
Im Mittelalter hat die analogia entis — die heute wieder als Schlagwort verkauft wird — eine Rolle gespielt, aber nicht als Seinsfrage, sondern als ein willkommenes Mittel dazu, eine Glaubensüberzeugimg mit philosophischen Ausdrücken zu formulieren. Der Gott des christlichen Glaubens, obzwar Schopfer und Erhalter der Welt, ist schlechthin von dieser verschieden und getrennt; er ist aber das im höchsten Sinne Seiende, das summum ens; seiend sind aber auch die von ihm unendlich verschiedenen Geschöpfe, das ens finitum. Wie kann ens infinitum und ens finitum beides ens genannt, beides im selben Begriff ›Sein‹ begriffen werden? Gilt das ens nur aequivoce oder univoce, oder eben analogice? Man hat sich aus der Schwierigkeit gerettet mit Hilfe der Analogie, die keine Lösung ist, sondern eine Formel. Der einzige, der die Lösung suchte, Meister Eckhart, sagt: Gott ›ist‹ überhaupt nicht, weil ›Sein‹ ein endliches Pradikat ist und von Gott gar nicht gesagt werden kann. (Dies war "freilich nur ein Anlauf, in Eckharts