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$20. Das Wahrnehmbare und das Wahrnehmungsvermögen

nen wahrnehmenden Menschen. Um so mehr und um so sicherer müssen dann die Megariker zur Lehre des Protagoras kommen.

Worauf Aristoteles also die Megariker mit ihrer These in ihrer Folge hinausdrängt, ist, wie die Nennung des Protagoras sagt, ebensosehr die Auflösung der Möglichkeit der Wahrheit wie der eigenständigen Wirklichkeit des Vorhandenen; das letztere wird damit angedeutet, daß das jetzt besprochene Argument die αψυχα betrifft. Die 'Wirklichkeit des Vorhandenen als eines Eigenständigen ist für die Einsicht nur dann gerettet, wenn gezeigt werden kann, daß die Wirklichkeit des Wahrnehmbaren als eines solchen nicht im Vollzug der Wahrnehmung liegt.

Damit ist eine Aufgabe gestellt, die Aristoteles nicht positiv löst, die er vielmehr nur in ihrer Unumgänglichkeit zeigt. Die ganze nachkommende Geschichte der Philosophie aber ist ein Zeugnis dafür, wie wenig die Lösung dieser Aufgabe gelungen ist. Der Grund für dieses Mißlingen liegt weniger darin, daß man den Weg nicht fand zur Antwort, sondern daß immer noch, bis zum heutigen Tage, die Frage als solche zu leicht genommen wird. Wir müssen hier darauf verzichten, diese Frage allseitig auseinanderzufalten und dabei zu zeigen, wie bei Aristoteles und in der Antike überhaupt noch Wesentliches fehlt, um auch nur die Frage als Frage ins reine zu bringen, daß aber andererseits gerade durch Aristoteles im Zusammenhang unseres leitenden Themas ein entscheidender Schritt zur rechten Fassung der Frage getan wurde.

Was nun die rechte Fassung der Frage andererseits verhindert hat, das ist uns in dieser ganzen Betrachtung ständig entgegengetreten, ohne daß wir es eigens deutlich genug begriffen. Es ist nichts Geringeres als eben die Doppelheit des Themas, die sich in dem jetzt besprochenen Argument geltend macht. Die Rede soll sein von den αψυχα, und doch wieder nicht, sondern von der αΐσθησις als δύναμις. Aber auch wieder von ihr nicht, sofern sie einfach ein εμψυχον ist im Sinne des

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