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Met. Θ 3. Die Wirklichkeit der δύναμις κατά κίνησιν

seelisch Vorhandenen. Vielmehr ist die Rade von den αψυχα qua αίσθητά — und von der αϊσθησις qua αίσθάνεσθαι tà αψυχα. Nicht ist gefragt, wie die seelenlosen, vorhandenen materiellen Dinge unter sich zu einander sind, sondern wie sie an sich als an sich Seiendes offenbar sein können, unbeschadet dessen, daß das Geschehen des Offenbarseins in sich an die Wirklichkeit des Beseelten, des Menschen, gebunden ist.

Aristoteles vermag nicht — sowenig wie jemand vor ihm und nach ihm — das eigene Wesen und Sein dessen zu fassen, was eben dieses Zwischen — zwischen αίσθητόν als solchem und αΐσ-θησις als solcher — ausmacht und was in sich gerade das Wunder vollbringt, daß es, obzwar auf das eigenständig für sich Seiende bezogen, durch diesen Bezug diesem nicht die Eigenständigkeit nimmt, sondern dem sich darauf Beziehenden gerade ermöglicht, sich dieser Eigenständigkeit in Wahrheit zu versichern.

Dazu aber muß gehören, daß wir überhaupt die Möglichkeit haben, etwas als wirklich Vorhandenes zu verstehen, auch und gerade dann, wenn dieses Vorhandene vorhanden ist als ein so und so Könnendes, hier: Wahrgenommenwerdenkönnendes. (Das ist die mögliche Weltzugehörigkeit des Seienden, in der es erst Seiendes >wird< und so sich herausstellt als jenes, das auch vordem nicht nichts war.) Die Unabhängigkeit der vorhandenen Dinge von uns Menschen wird dadurch nicht angetastet, daß eben diese Unabhängigkeit als solche nur möglich ist, wenn Menschen existieren. Das Ansichsein der Dinge wird nicht nur etwa unerklärbar, sondern völlig sinnlos ohne die Existenz des Menschen; was nicht heißt, daß die Dinge selbst vom Menschen abhängig seien.

Um aber diese Grundverhältnisse und Grundwahrheiten wirklich ganz eindeutig und d. h. allseitig auseinanderzulegen und vor allem in den Grenzen und der Art ihrer Gewißheit zu umschreiben, dazu bedarf es wieder der ganzen Arbeit einer Philosophie. Und immer nur so durchmessen wir das Ganze

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