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Das dritte Stadium

endste; und das Seiendste am Seienden, das, was das Seiende eigentlich ausmacht, ist dessen Sein. Das Sein aber gibt, wie wir sahen, erst den Durchlaß für Seiendes. Die Ideen bereiten den Weg. Das Licht macht es, daß vordem Verhülltes jetzt sichtbar wird. Die Ideen beseitigen die Verborgenheit. Die Unverborgenheit des Seienden entspringt aus dem Sein, den Ideen, dem ἀληθινόν. Das Offenbarste eröffnet, das Lichteste lichtet. Die Ideen lassen Unverborgenheit von Seiendem mit-entspringen; sie sind das ursprünglich Unverborgene, die Unverborgenheit im ursprünglichen, d. h. entspringen-lassenden Sinne. Das will der Superlativ sagen.


b) Die Ideen als das Gesichtete eines vor-bildenden Erblickens, das am Geschehen der Unverborgenheit beteiligt ist


Warum sagten wir (zweitens): die Ideen lassen Unverborgenheit mit-entspringen? Ist denn anderes an diesem Ursprung mit-beteiligt? Freilich! Wir sahen ja, daß mit dem ἀληθές noch anderes zusammengeht (außer Licht auch Befreiung) und daß die Ideen in der Tat mit Licht und Freiheit zusammenhängen.

Warum also sagen wir: die Ideen sind mit der Ursprung der Unverborgenheit? Vermögen denn die Ideen, wenn sie das Durchlassende sind, nicht allein, für sich, die Sichtbarkeit der Dinge zu leisten? Ja was wären denn Ideen »für sich«? Ἰδέα ist das Gesichtete. Gesichtetes als ein solches ist nur im Sehen und für ein Sehen. Ein ungesichtetes Gesichtetes, — das ist wie ein rundes Viereck oder ein hölzernes Eisen. »Ideen«: wir müssen endlich mit dieser Benennung ernstmachen, die Platon dem Sein gegeben hat. »Gesichtetes« meint nicht eine Zugabe, ein nachträgliches Prädikat, etwas, was den Ideen zuweilen passiert, sondern das, was sie überhaupt und vor allem kennzeichnet. Sie heißen Ideen, weil sie eben als das primär verstanden sind: Gesichtetes zu sein. Gesichtetes, streng genommen, ist nur, wo ein Sehen und Blicken. »Streng genommen« sage ich mit Absicht. Wir müssen hier streng nehmen, denn hier ist eine

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