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§ 2. Das Seiende im Ganzen als Thema 7


das Auseinander-und-Durcheinander-Hervor-Kommen, sondern überhaupt das Vor-treten, als Auftreten. Wir sagen dafür kurz das Erscheinen. (Vgl. unten S. 8; sorgfältig jede Beziehung zu späteren Bedeutungen des Wortes als Terminus beiseite lassen; auch zum Begriff Kants, obwohl »Erscheinung« dort in gewissen Grenzen echt und ursprünglich gebraucht; nur dadurch, daß »Erscheinung« zum Gegenbegriff wird zu »Ding an sich«, wird er hier für uns unbrauchbar.)

Erscheinen ist das Auftauchen, nicht das Gesehen-und Aufgefaßtwerden, sondern als Charakteristik des Geschehens des Seienden als solchen, und demzufolge das Vernehmen und Habbarwerden eines Seienden. Erscheinen — in der Erschienenheit sich halten bzw. daraus sich entfernen. Erscheinen — wie wir sagen: »ein neues Buch erscheint« oder »der Vereinsvorsitzende dankt den erschienenen Gästen für ihr Erscheinen«. Dieses nur ganz weit und ursprünglich verstandene Erscheinen schwingt in der Bedeutung von γένεσις —daher nicht Entstehen, sondern Her-kunft. Und der Schwund, das Verschwinden ist nur eine ausgezeichnete Weise des Erscheinens, gehört ganz zu diesem; denn nur, was erschienen ist bzw. erscheinen kann, kann auch verschwinden und zwar so, daß das Erscheinen zurückgenommen wird.


c) ἐξ ὧν — εἰς ταῦτα — das Woher-Dahin — unsere Kennzeichnung von Herkunft und Schwund. Das Unzureichende der Rede vom »Grundstoff«


b) Dem Seienden ist die Herkunft und der Schwund nicht irgend ein Vorkommnis, sondern das eben den ὄντα Wesenhafte. Und zwar werden beide jetzt näher gekennzeichnet in einer bestimmten Hinsicht. ἐξ ὧν — εἰς ταῦτα; das von Wo aus des Herkommens und das Dahin des Verschwindens. Und es wird gesagt: Das Von-wo-aus und das Dahin des Erscheinens (Verschwindens) ist dasselbe. Das Wo-her ist das Da-hin und umgekehrt. — Diese Auskunft ist reichlich mager. Wir möchten doch gern wissen, was dieses Woher und


Martin Heidegger (GA 35) Der Anfang der abendländischen Philosophie