167
§ 22. Auslegung von Fragment 8

g) Die Unmöglichkeit der Abwesenheit im Sein


Mit 22-25 geht die Erörterung über zum Beweis des ersten und letzten positiven σήμα — οὖλον — συνεχές. Der Form nach ist der Beweis wieder ein Zurückweisen ersuchter trennender Hinsichten; denn διαίρεσις ist Auseinandernehmen, Zerteilen, Zer-stükken. Denn in das Sein aus-einander, ja, dasselbe als ein-ander-aus zum Anderen bzw. gar weg von einander, lauter Nichthaftes, was dem Sein unangemessen; wäre solche Zerteilung möglich, dann wären auch die Teile noch Sein, Teil aber Nicht das Ganze, Ganzheit aber allein Sein. Wenn das Sein zusammengestückt, dann grundsätzlich Anstückung möglich. Es wäre dann der geschlossene Zusammenhalt, als der es west, unmöglich; das συνεχές so ausgeschlossen. Ganzheit und einfacher Zusammenhalt lassen kein Aus-einander zu, mithin kein »Zwischen«, wo gleichsam kein Sein, so daß Sein zu Sein erst von der Durchquerung eines Zwischen käme. Mit dem notwendigen Ausschluß jedes Zwischen im Sein | entfällt aber auch die Möglichkeit, daß das Sein in sich, gleichsam sich in seinen Teilen hin und her bewegte, d. h. bebte. Mit dem Beweis von οὖλον — συνεχές ist in eins bewiesen das ἀτρεμές. Die Notwendigkeit des Weg-sehens jeglichen Auseinander (διαίρεσις) wird positiv gegründet in dem Hinsehen darauf, daß das Ganze nur erfüllt ist vom Sein.

Was ist, da nur lauter Sein, es kann sich ihm nichts anderes nahen, denn Sein, alle Nähe und Ferne erfüllt es nur als Sein. Das Wegsehen des Nichthaften im Sinne des Auseinander aus der Hinsicht auf das Sein wird hier gegründet in dem Hinsehen von reiner Erfülltheit auf das Sein und reiner Beherrschung jeglicher Nähe und d. h. auch Ferne durch das Sein.81 Was liegt also in der Sicht dieses positiven Hinsehens? Alles rein erfüllt, keine Leere, kein Weg, d. h. keine Abwesenheit im Sein als solchen, sondern nur Anwesenheit. In der Nähe nichts anderes als es selbst, keine Ferne für sich möglich, sondern über jede Nähe und Ferne weg


81 Gegen διαίρεσις — reine Erfülltheit — Beherrschung; kein Weg: aber.