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Wiederholung

b) Das zu Erfragende läßt sich nicht sofort erledigen


Das andere Mißverständnis würde in der Erwartung liegen, daß all das, was wir hier erfragen und zur Antwort bringen, sich gleichsam über Nacht erledigt. Dieses Fragen selbst steht nicht außerhalb der Geschichte, sondern eingefügt in seine Bestimmung greift es über Tag und Jahr hinaus; es ist nicht an heutige Zufälligkeiten gebunden.


So haben wir den Boden gewonnen für den gesamten Bereich des Fragens, den wir durchlaufen haben. Dieser Boden ist die Zeit selbst als die Macht, die wir bestehen oder nicht bestehen; dieser Boden ist unser Dasein als die Zeitlichkeit selbst. Wir können nicht mehr sagen, die Zeit sei oder sei nicht. Wir müssen begreifen, daß das Verständnis von Sein selbst aus der Zeit genommen ist. In der Abgrenzung des Werdens gegen das Sein war das Sein j a selbst als Beständigkeit verblieben. Aus diesem Verbleib wurde das Jetzt sozusagen als Kern der Zeit aufgefaßt und Zukunft als das noch nicht Wirkliche und Vergangenheit als das nicht mehr Wirkliche genommen. Sein war Beständigkeit und Anwesenheit, an der Zeit war immer nur das flüchtige Jetzt wirklich.

Indem wir nun die Zeitigung der Zeit aus der Zukunft und Gewesenheit ermittelten, wurde die Gegenwart als das Verschwindende übersprungen. Hier kommt also eine völlige Wandlung des Wesens des Seins zum Vorschein. Von hier aus müssen wir die weiteren Fragen nach dem Sein als Geschichte, dem Sein des Menschen und dem Sein der Sprache aufnehmen.


Wiederholung


Wir stehen bei dem Versuch, das Wesen der Geschichte, jetzt als Geschehen genommen, aus dem Verhältnis zur Zeit zu begreifen. Drei Bestimmungen hatten wir erörtert. Die erste nimmt Geschichte als Vergangenheit. An diese Bestimmung haben wir bei der Erörterung der zweiten Bestimmung angeknüpft. Diese


Martin Heidegger (GA 38) Logik als die Frage nach dem Wesen der Sprache

Logic as the Question Concerning the Essence of Language p. 102