c) Dichten als Sagen in der Art des weisenden Offenbarmachens
Dichten: ein Sagen in der Art des weisenden Offenbarmachens. Das sei keine >Definition‹, sondern nur eine Hilfe, um das zu verstehen, was Hölderlin vom Dichten und vom Dichter sagt. Hölderlin sagt das in der größten Zeit seines eigentlichen Schaffens, in die unser Gedicht gehört, 1799 und in den folgenden Jahren, oft und vielfältig, ja ständig. Fast möchte man sagen: Die Dichtung und der Dichter ist die einzige Sorge seines Dichtens. Hölderlin ist da der Dichter des Dichters, so wie der dem Dichter zuinnerst verwandte Denker in seinem höchsten Schaffen denken und wissen will, ja wissen wollen muß, was Denken und wer der Denker sei. Solches Dichten über den Dichter und Denken über das Denken kann allerdings leere, unfruchtbare und unschöpferische Zergliederung seiner selbst sein, es kann aber auch der äußerste Gegensatz dazu sein. Das ist es bei Hölderlin. Was Hölderlin vom Dichter sagt, können wir jetzt nur erst von außen zur Kenntnis nehmen. Es sei nur behelfsmäßig und mit allen Vorbehalten auf einige Stellen hingewiesen, deren Auswahl ganz bestimmt wird von der Auslegung unseres Gedichtes »Germanien«. Die erste Stelle ist aus dem Gedicht »Wie wemi am Feiertage . . « (IV, 153, V. 56 ff.):
Doch uns gebührt es, unter Gottes Gewittern,
Ihr Dichter! mit entblösstem Haupte zu stehen,
Des Vaters Stral, ihn selbst, mit eigner Hand
Zu fassen und dem Volk ins Lied
Gehüllt die himmlische Gaabe zu reichen.
Der Dichter zwingt und bannt die Blitze des Gottes ins Wort und stellt dieses blitzgeladene Wort in die Sprache seines Volkes. Der Dichter bearbeitet nicht seine seelischen Erlebnisse, sondern steht »unter Gottes Gewittern« — »mit entblösstem Haupte«, schutzlos preis- und von sich weggegeben. Dasein ist