d) Zeitigung der ursprünglichen Zeit als Grundgeschehnis der Grundstimmung
In diesem Nach-vorne-walten des Gewesenen in die Zukunft, die rückweisend das schon früher sich Bereitende als solches eröffnet, waltet das Zu-kommen und Noch-wesen (Zukunft und Gewesenheit) in einem: die ursprüngliche Zeit. Die Zeitigung dieser Zeit ist das Grundgeschehnis der Stimmung, in der die Dichtung gründet. Diese ursprüngliche Zeit entrückt unser Dasein in die Zukunft und Gewesenheit, besser: macht, daß unser Sein als solches ein entrücktes ist, gesetzt, daß es eigentlich ist. Uneigentlich ist es immer, im Gegensatz zur Entrückung, ein in sich Zusammenhocken auf einem je wechselnden Heute. Die Wesensverfassung dieser ursprünglichen Zeitlichkeit und wesentliche Möglichkeiten derselben habe ich in der Abhandlung »Sein und Zeit«1 dargestellt.
Der Dichter nennt diese Zeit mehrfach die »reissende«2, weil sie der in sich schwingende Fortriß in die Zukunft und Rückwurf in die Gewesenheit ist. Im Stundengang dieses Hin- und Herrisses der stets neuen Bewahrung des Gewesenen und der stets neuen Erharrung des Künftigen zeitigt sich jene Zeit eines Volkes, kraft deren es eingeht in das Offenstehen von Tal und Strömen für das, was vom Künftigen von den Bergen her gesagt wird, jenen Gipfeln der Zeit, auf denen die Schaffenden wohnen. In solcher Zeit, wie sie in der Grundstimmung — wahrer gesagt: wie sie als die genannte Grundstimmung — im Dasein des Volkes erzittert, in solcher Zeit ›wird es‹ Zeit, wird jene rechte Zeit, die keine Unzeit ist, die wie alles Verzwungene und nur errechnend Hergestellte den Göttern verhaßt bleibt.
1 Tübingen 197714. Gesamtausgabe, Bd. 2. Frankfurt 1977. §§ 65 ff.
2 Aus dem Motivkreis der Titanen, IV, 217, V. 67, Anmerkungen zur Antigonä, V, 254, u. a.