wäre jedoch gegen den Willen des Dichters, wollten wir dieses Wort aus dem notvoll verschwiegenen Brief an den Freund ins öffentliche hinauszerren. Der Dichter hat uns dasselbe Wort dichterisch aufbewahrt.
... Viele sind gestorben
Feldherrn in alter Zeit
Und schöne Frauen und Dichter
Und in neuer
Der Männer viel
Ich aber bin allein.
(Die Titanen, IV, 208, V. 7 ff.)
Die Grundstimmung der Hölderlinschen Dichtung ist die heilig trauernde, aber bereite Bedrängnis. Stimmend muß sie uns für den Ort bestimmen, aus dem das Ganze des Seienden neu erfahrbar wird, zur gefügten Macht kommt und in einem echten Wissen verwahrt wird. Die Grundstimmung kann für uns keine verschwebende Ahnung bleiben. Die eigene Bestimmtheit und Vereinzelung der Stimmung haben wir bereits bedacht. Diese Trauer und dieses Klagen ist Mittrauern und Mitklagen mit den »heimatlichen Wassern« (Germanien, V.4). Die Bedrängnis ist die der heimatlichen Erde. Deshalb müssen wir die Ströme und die heimatliche Erde aufsuchen und das Sagen des Dichters von ihnen recht vernehmen. Wir wagen uns in den Umkreis der Stromdichtungen und wählen als erstes Gedicht jenes, das überschrieben ist »Der Rhein«.
§ 11. Zusammenfassende Zwischenbetrachtung: Rückgang in die bisher eröffneten Bereiche als verschärfte Bestimmung des Vorhabens der Vorlesung
In der vorigen Stunde vollzogen wir den Übergang vom Gedicht »Germanien« zum Gedicht »Der Rhein«. Das zum Abschluß der vorläufigen Auslegung des Gedichtes »Germanien«