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§ 1. Die rangmäßig erste Frage

Fragen nach dem Grund als Vordergrund, so daß immer noch Seiendes als gründendes gesucht wird? Ist diese »erste« Frage doch nicht die rangmäßig erste, gemessen an dem inneren Rang der Seinsfrage und ihrer Verwandlungen?

Zwar - ob die Frage: »Warum ist überhaupt Seiendes und nicht vielmehr Nichts?« gestellt wird oder nicht, das ficht das Seiende selbst gar nicht an. Die Planeten ziehen ihre Bahn ohne dies. Die Schwungkraft des Lebens strömt durch Pflanze und Tier ohne dies.

Aber wenn diese Frage gestellt wird, dann geschieht in diesem Fragen, falls es wirklich vollzogen wird, notwendig ein Rückstoß aus dem, was gefragt und befragt wird, auf das Fragen selbst. Dieses Fragen ist deshalb in sich kein beliebiger Vorgang, sondern ein ausgezeichnetes Vorkommnis, das wir ein Geschehnis nennen.

Diese Frage und alle in ihr unmittelbar verwurzelten Fragen, in denen diese eine sich entfaltet, diese Warumfrage ist gegenüber jeder anderen unvergleichlich. Sie stößt in das Suchen nach ihrem eigenen Warum. Die Frage: »Warum das Warum?« sieht äußerlich und zunächst aus wie eine spielerische und ins Endlose fortzusetzende Wiederholung desselben Fragewortes, sieht aus wie eine verstiegene und leere Grübelei über gehaltlose Wortbedeutungen. Gewiß, so sieht es aus. Die Frage ist nur, ob wir ein Opfer dieses recht billigen Augenscheines werden wollen und damit alles für erledigt halten oder ob wir imstande sind, in diesem Rückstoß der Warumfrage auf sich selbst ein erregendes Geschehnis zu erfahren.

Wenn wir uns aber durch den Augenschein nicht täuschen lassen, wird sich zeigen, daß diese Warumfrage als Frage nach dem Seienden als solchem im Ganzen allerdings aus aller Spielerei mit bloßen Worten herausführt, gesetzt, daß wir noch soviel Kraft des Geistes besitzen, den Rückstoß der Frage in ihr eigenes Warum wahrhaft zu vollziehen; denn er macht sich freilich nicht von selbst. Hierbei wird uns die Erfahrung, daß diese ausgezeichnete Warumfrage ihren Grund hat in einem