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Die Grundfrage der Metaphysik

Wesens der Philosophie. Die andere betrifft eine Verkehrung ihres Leistungssinnes.

[8] Ganz im rohen genommen zielt die Philosophie immer auf die ersten und letzten Gründe des Seienden und zwar derart, daß dabei der Mensch selbst in betonter Weise hinsichtlich des Menschseins eine Deutung und Zielsetzung erfährt. Von daher macht sich nun leicht der Anschein breit, die Philosophie könnte und müßte für das jeweilige und künftige geschichtliche Dasein und Zeitalter eines Volkes die Grundlegung herbeischaffen, auf der sich dann die Kultur aufbauen sollte. Mit solchen Erwartungen und Ansprüchen wird jedoch das Vermögen und Wesen der Philosophie überfordert. Meist zeigt sich diese Überforderung in der Gestalt einer Bemängelung der Philosophie. Man sagt z. B.: Weil die Metaphysik an der Vorbereitung der Revolution nicht mitgewirkt hat, deshalb ist sie abzulehnen. Das ist genauso geistreich, wie wenn einer sagen wollte, weil man mit der Hobelbank nicht fliegen kann, deshalb ist sie zu beseitigen. Die Philosophie kann niemals unmittelbar die Kräfte beistellen und die Wirkungsweisen und Gelegenheiten schaffen, die einen geschichtlichen Zustand heraufführen, dies schon allein deshalb nicht, weil sie unmittelbar immer Wenige angeht. Welche Wenigen? Die schaffend Verwandelnden, die Umsetzenden. Erst mittelbar und auf nie lenkbaren Umwegen wirkt sie sich in eine Breite aus, um schließlich irgendwann, und dann längst als ursprüngliche Philosophie vergessen, zu einer Selbstverständlichkeit des Daseins herabzusinken.

Was dagegen die Philosophie ihrem Wesen nach sein kann und sein muß, das ist: eine denkerische Eröffnung der Bahnen und Sichtweiten des maß- und rangsetzenden Wissens, in dem und aus dem ein Volk sein Dasein in der geschichtlich-geistigen Welt begreift und zum Vollzug bringt, jenes Wissen, das alles Fragen und Schätzen befeuert und bedroht und nötigt. Die zweite Mißdeutung, die wir erwähnen, ist eine Verkehrung des Leistimgssinnes der Philosophie. Wenn diese