schon keine Grundlegung einer Kultur zu schaffen vermag, dann, so meint man, trägt sie doch zur Erleichterung ihres Aufbaues bei, sei es, daß sie das Ganze des Seienden in Übersichten und Systeme ordnet und ein Weltbild, gleichsam eine Weltkarte, der verschiedenen möglichen Dinge und Dingbereiche zum Gebrauche bereitstellt und so eine allgemeine und gleichmäßige Orientierung gestattet, sei es, daß sie im besonderen den Wissenschaften die Arbeit abnimmt, indem sie die Besinnung auf deren Voraussetzungen, Grundbegriffe und Grundsätze durchführt. Man erwartet von der Philosophie eine Förderung und gar Beschleunigung des praktisch-technischen Kulturbetriebes im Sinne einer Erleichterung.
Aber — die Philosophie macht ihrem Wesen nach die Dinge [9] nie leichter, sondern nur schwerer. Und das nicht beiläufig, weil die Art ihrer Mitteilung dem Alltagsverstand befremdlich oder gar verrückt vorkommt. Erschwerung des geschichtlichen Daseins und damit im Grunde des Seins schlechthin ist vielmehr der echte Leistungssinn der Philosophie. Erschwerung gibt den Dingen, dem Seienden, das Gewicht zurück (das Sein). Und weshalb dies? Weil die Erschwerung eine der wesentlichen Grundbedingungen für die Entstehung alles Großen ist, wozu wir das Schicksal eines geschichtlichen Volkes und seiner Werke vor allem rechnen. Schicksal aber ist nur dort, wo ein wahrhaftes Wissen um die Dinge das Dasein beherrscht. Die Bahnen und Sichten solchen Wissens aber eröffnet die Philosophie.
Die Mißdeutungen, von denen die Philosophie ständig umlagert bleibt, werden nun am meisten gefördert durch das, was unsereiner treibt, also durch die Philosophieprofessoren. Deren gewöhnliches, und auch berechtigtes und sogar nützliches Geschäft ist es, eine gewisse bildungsmäßige Kenntnis von der bisher aufgetretenen Philosophie zu vermitteln. Das sieht dann so aus, als sei dies selbst Philosophie, während es höchstenfalls nur Philosophiewissenschaft ist.
Die Erwähnung und Berichtigung der beiden genannten Mißdeutungen kann nicht bewirken wollen, daß Sie nun mit