14
Die Grundfrage der Metaphysik

einem Schlag in ein klares Verhältnis zur Philosophie kommen. Aber Sie sollen bedenklich und stutzig werden, gerade wenn die geläufigsten Urteile und sogar vermeintliche Erfahrungen Sie unversehens überfallen. Dies geschieht oft in einer ganz harmlosen und sich rasch durchsetzenden Weise. Man glaubt, selbst die Erfahrung zu machen und hört sie leicht bestätigt: Bei der Philosophie »kommt nichts heraus«; »man kann damit nichts anfangen«. Diese beiden Redensarten, die besonders in den Kreisen der Lehrer und Forscher der Wissenschaften umlaufen, sind der Ausdruck von Feststellungen, die ihre unbestreitbare Richtigkeit haben. Wer ihnen gegenüber den Versuch macht, zu beweisen, daß schließlich doch »etwas herauskomme«, der steigert und festigt nur die herrschende Mißdeutung, die in der Vormeinung besteht, man könne die Philosophie nach den Alltagsmaßstäben abschätzen, nach denen man sonst die Brauchbarkeit von Fahrrädern oder die Wirksamkeit von Heilbädern beurteilt.

Es ist völlig richtig und in der besten Ordnung: »Man kann mit der Philosophie nichts anfangen«. Verkehrt ist nur, zu meinen, damit sei das Urteil über die Philosophie beendet. Es kommt nämlich noch ein kleiner Nachtrag in der Gestalt einer Gegenfrage, ob, wenn schon wir mit ihr nichts anfangen können, die Philosophie am Ende nicht mit uns etwas anfängt, gesetzt, daß wir uns auf sie einlassen. Das genüge für uns zur Verdeutlichung dessen, was die Philosophie nicht ist.


§ 3. Der Anfang des Fragens nach dem Seienden als solchem
im Ganzen bei den Griechen unter dem
Grundwort φύσις

Wir haben zu Beginn eine Frage genannt: »Warum ist überhaupt Seiendes und nicht vielmehr Nichts?« Wir behaupteten: Das Fragen dieser Frage ist das Philosophieren. Wenn wir denkend ausblickend uns in die Richtung dieser Frage aufmachen,