und In-sich-aus-sich-Hinausstehen darf nicht als ein Vorgang genommen werden, den wir unter anderen am Seienden beobachten. Die φύσις ist das Sein selbst, kraft dessen das Seiende erst beobachtbar wird und bleibt.
Die Griechen haben nicht erst an den Naturvorgängen erfahren, was φύσις ist, sondern umgekehrt : aufgrund einer dichtend-denkenden Grunderfahrung des Seins erschloß sich ihnen das, was sie φύσις nennen mußten. Erst aufgrund dieser Erschließung konnten sie dann einen Blick haben für die Natur im engeren Sinne. Φύσις meint daher ursprünglich sowohl den Himmel als auch die Erde, sowohl den Stein als auch die Pflanze, sowohl das Tier als auch den Menschen und die Menschengeschichte als Menschen- und Götterwerk, schließlich und zuerst die Götter selbst unter dem Geschick. Φύσις meint das aufgehende Walten und das von ihm durchwaltete Währen. In [12] diesem aufgehend verweilenden Walten liegen »Werden« sowohl wie »Sein«, im verengten Sinne des starren Verharrens, beschlossen. Φύσις ist das Entstehen, aus dem Verborgenen sich heraus- und dieses so erst in den Stand bringen.
Versteht man nun aber, wie das meist geschieht, φύσις nicht im ursprünglichen Sinne des aufgehenden und verweilenden Waltens, sondern in der späteren und heutigen Bedeutung als Natur, und setzt man außerdem noch als die Grunderscheinung der Natur die Bewegungsvorgänge der stofflichen Dinge, Atome und Elektronen an, das, was die neuzeitliche Physik als Physis erforscht, dann wird die anfängliche Philosophie der Griechen zu einer Naturphilosophie, zu einer Vorstellung aller Dinge, gemäß der sie eigentlich stofflicher Natur sind. Der Anfang der griechischen Philosophie macht dann, wie es sich nach dem Alltagsverstand für einen Anfang gehört, den Eindruck dessen, was wir, wiederum lateinisch, als primitiv bezeichnen. Die Griechen werden so im Grundsatz zu einer besseren Art von Hottentotten, denen gegenüber die neuzeitliche Wissenschaft unendlich weit fortgeschritten ist. Von aller Unsinnigkeit im besonderen abgesehen, die in dieser Auffassung des Anfang