der abendländischen Philosophie als eines primitiven liegt, muß gesagt werden: Diese Auslegung vergißt, daß es sich um Philosophie handelt, um etwas, was zu den wenigen großen Dingen des Menschen gehört. Alles Große aber kann nur groß anfangen. Sein Anfang ist sogar immer das Größte. Klein fängt immer nur an das Kleine, dessen zweifelhafte Größe es ist, alles zu verkleinern; klein fängt an der Verfall, der dann auch groß werden kann im Sinne des Unmaßes der völligen Vernichtung.
Das Große fängt groß an, erhält sich nur durch freie Wiederkehr der Größe in seinem Bestand und geht auch, wenn es groß ist, groß zu Ende. So ist es mit der Philosophie der Griechen. Sie ging mit Aristoteles groß zu Ende. Nur der Alltagsverstand und der kleine Mann stellen sich vor, das Große müßte endlos dauern, welche Dauer er dann noch mit dem Ewigen gleichsetzt.
Das Seiende als solches im Ganzen nennen die Griechen φύσις. Nur nebenbei sei erwähnt, daß schon innerhalb der griechischen Philosophie alsbald eine Verengung des Wortes einsetzte, ohne daß seine ursprüngliche Bedeutung aus der Erfahrung, dem Wissen und der Haltung der griechischen Philosophie entschwand. Noch bei Aristoteles klingt das Wissen um die ursprüngliche Bedeutung an, wo er von den Gründen des Seienden als solchen spricht (vgl. Met. Γ 1, 1003 a 27). [13]
Aber diese Verengung der φύσις in der Richtung des »Physischen« geschah nicht in der Weise, wie wir Heutigen uns das vorstellen. Wir setzen dem Physischen das »Psychische«, das Seelische, Beseelte, Lebendige entgegen. All dieses aber gehört für die Griechen auch später noch zur φύσις. Als Gegenerscheinung tritt heraus, was die Griechen θέσις, Setzung, Satzung nennen oder νόμος, Gesetz, Regel im Sinne des Sittlichen. Das aber ist nicht das Moralische, sondern das Sittenhafte, was auf Bindung aus Freiheit und auf Zuweisung aus Überlieferung beruht; was freie Verhaltung und Haltung, was Gestaltung des geschichtlichen Seins des Menschen betrifft, das ἦθος, was dann unter dem Einfluß der Moral zum Ethischen herabgesetzt wurde.
Introduction to Metaphysics p. 18