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Die Grundfrage der Metaphysik

heit dessen, was die Vergessenheit des Seins verschließt und verbirgt. Durch dieses Fragen fällt auch erst ein Licht auf das bislang mitverborgene Wesen der Metaphysik.]

»Einführung in die Metaphysik« heißt demnach: hineinführen in das Fragen der Grundfrage. Nun kommen aber Fragen und vollends gar Grundfragen nicht einfach so vor wie die Steine und das Wasser. Fragen gibt es nicht wie Schuhe und Kleider oder Bücher. Fragen sind und sind nur so, wie sie wirklich gefragt werden. Das Hineinführen in das Fragen der Grundfrage ist daher nicht ein Gang zu etwas hin, das irgendwo liegt und steht, sondern dieses Hinführen muß das Fragen erst wecken und schaffen. Das Führen ist ein fragendes Vorangehen, ein Vor-fragen. Das ist eine Führung, für die es wesensmäßig keine Gefolgschaft gibt. Wo sich so etwas breit macht, z. B. eine Philosophenschule, wird das Fragen mißverstanden. Solche Schulen kann es nur im Umkreis der wissenschaftlichhandwerklichen Arbeit geben. Hier hat alles seine bestimmte Stufenordnung. Diese Arbeit gehört auch und zwar notwendig zur Philosophie und ist heute abhanden gekommen. Aber das beste handwerkliche Können ersetzt nie die eigentliche Kraft des Sehens und Fragens und Sagens.


§ 5. Die Entfaltung der Frage: »Warum ist überhaupt
Seiendes und nicht vielmehr Nichts?«


a) Die Fragehaltung als ein Wissen-wollen


»Warum ist überhaupt Seiendes und nicht vielmehr Nichts?« Das ist die Frage. Aussagen des Fragesatzes, selbst im Tonfall des fragenden Sagens, ist noch kein Fragen. Wir sehen es schon daran: Wenn wir den Fragesatz mehrmals hintereinander wiederholen, so braucht sich dadurch die Fragehaltung nicht lebendiger auszubilden, im Gegenteil, das wiederholte Hersagen kann gerade eine Abstumpfung des Fragens mit sich führen.