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§ 6. Seins frage und »Logik«

Die Art des Fragens nach dem Nichts kann als Gradmesser und Kennzeichen für die Art des Fragens nach dem Seienden gelten.

Wenn wir das bedenken, dann scheint der zu Beginn vorgesprochene Fragesatz: »Warum ist überhaupt Seiendes und nicht vielmehr Nichts?« die Frage nach dem Seienden doch weit angemessener auszusprechen als der verkürzte. Daß wir hier die Rede vom Nichts hereinbringen, ist nicht Lässigkeit und Uberschwang des Sprechens, ist auch nicht eine Erfindung von uns, sondern nur die strenge Achtung vor der ursprünglichen Überlieferung des Sinnes der Grundfrage.


§ 6. Die Seins frage und die »Logik«. Das wahre Reden vom
Nichts in Denken und Dichten


Allein, dieses Reden vom Nichts bleibt denkwidrig im allgemeinen und zersetzend im besonderen. Wie aber, wenn sowohl die Bekümmernis um die rechte Beachtung der Grundregeln des Denkens als auch die Angst vor dem Nihilismus, die beide einem Reden vom Nichts widerraten möchten, auf einem Mißverständnis fußten? So steht es in der Tat. Zwar ist das hierbei mitspielende Mißverständnis nicht zufällig. Es gründet in einem seit langem herrschenden Unverständnis der Frage nach dem Seienden. Dieses Unverständnis jedoch entstammt einer sich mehr und mehr verhärtenden Seinsvergessenheit.

So rundweg ist nämlich noch gar nicht entschieden, ob die Logik und ihre Grundregeln überhaupt den Maßstab bei der Frage nach dem Seienden als solchem abgeben können. Es könnte umgekehrt sein, daß die gesamte uns bekannte und wie ein Himmelsgeschenk behandelte Logik in einer ganz bestimmten Antwort auf die Frage nach dem Seienden gründet, daß mithin alles Denken, das lediglich die Denkgesetze der herkömmlichen Logik befolgt, von vornherein außerstande ist, von sich aus überhaupt die Frage nach dem Seienden auch nur zu verstehen, geschweige denn wirklich zu entfalten und einer