32
Die Grundfrage der Metaphysik

ausspricht, als die Frage meint: Warum ist das Seiende? Mit unserer Frage stellen wir uns so in das Seiende, daß es seine Selbstverständlichkeit als das Seiende einbüßt. Indem das Seiende innerhalb der weitesten und härtesten Ausschlagsmöglichkeit des »Entweder Seiendes — oder Nichts« ins Schwanken gerät, verliert das Fragen selbst jeden festen Boden. Auch unser fragendes Dasein kommt in die Schwebe und wird gleichwohl in diesem Schweben von sich selbst gehalten.


§ 8. Das Fragen als Eröffnung des Bereichs der eigenen
Fragwürdigkeit des Seienden: sein Schwanken
zwischen Nichtsein und Sein


Aber durch unser Fragen wird das Seiende nicht verändert. Es bleibt, was es ist und wie es ist. Unser Fragen ist doch nur ein seelisch-geistiger Vorgang in uns, der, wie immer er sich abspielen mag, dem Seienden selbst doch nichts anhaben kann. Gewiß, das Seiende bleibt das, als was es uns offenbar ist. Dennoch vermag das Seiende nicht das Frag-würdige von sich abzuwälzen, daß es als das, was es ist und wie es ist, auch nicht sein könnte. Diese Möglichkeit erfahren wir keineswegs als etwas, was nur wir erst hinzudenken, sondern das Seiende selbst bekundet diese Möglichkeit, bekundet sich als das Seiende in ihr. Unser Fragen eröffnet nur den Bereich, damit das Seiende in solcher Fragwürdigkeit aufbrechen kann.

Noch allzu Weniges und nur Grobes wissen wir vom Geschehnis solchen Fragens. In diesem scheinen wir ganz uns selbst zu gehören. Dennoch ist es dieses Fragen, das uns ins Offene rückt, gesetzt, daß es selber sich fragend verwandelt (was jedes echte Fragen leistet), und einen neuen Raum über alles und durch alles wirft.

Es gilt nur, nicht verführt durch vorschnelle Theorien, am Nächstbeliebigen die Dinge zu erfahren, wie sie sind. Dieses Stück Kreide hier ist ein ausgedehntes, verhältnismäßig festes,