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§ 9. Unterscheidung von Sein und Seiendem

bestimmt geformtes weißgraues Ding und bei all dem und mit all dem ein Ding zum Schreiben. So gewiß es gerade zu diesem Ding gehört, hier zu liegen, ebenso gehört zu ihm, nicht hier und nicht so groß sein zu können. Die Möglichkeit, an der Tafel entlang geführt und abgenutzt zu werden, ist nichts, was wir zu dem Ding nur hinzudenken. Es selbst als dieses Seiende ist in dieser Möglichkeit, sonst wäre es keine Kreide als Schreibzeug. Entsprechend hat jegliches Seiende in je verschiedener Weise dieses Mögliche bei sich. Dieses Mögliche gehört zur Kreide. Sie selbst hat eine bestimmte Eignung zum bestimmten Gebrauch an ihr selbst. Wir sind freilich gewöhnt und geneigt, beim Aufsuchen dieses Möglichen an der Kreide zu sagen, daß wir solches nicht sehen und nicht greifen. Aber das ist ein Vorurteil. Es zu beseitigen, gehört mit zur Entfaltung unserer Frage. Diese soll jetzt nur erst das Seiende in seinem Schwanken zwischen Nichtsein und Sein eröffnen. Sofern das Seiende der äußersten Möglichkeit des Nichtseins widersteht, steht es selbst im Sein und hat dabei doch die Möglichkeit des Nichtseins nie überholt und überwunden.


§ 9. Die zweifache Bedeutung des Wortes »das Seiende«.
Die scheinbare Überflüssigkeit der Unterscheidung
von Sein und Seiendem und die Zweideutigkeit
der »Grundfrage« als Frage nach dem Grund des Seins


Unversehens sprechen wir da vom Nichtsein und Sein des Seienden, ohne zu sagen, wie sich das so Genannte zum Seienden selbst verhält. Ist beides dasselbe? Das Seiende und dessen Sein? Die Unterscheidung! Was ist z. B. an diesem Kreidestück das Seiende? Schon diese Frage ist zweideutig, weil das Wort »das Seiende« nach zwei Hinsichten verstanden werden kann, so wie das griechische τό ov. Das Seiende meint einmal das, was jeweils seiend ist, im besonderen diese weißgraue, so und so geformte, leichte, zerbrechliche Masse. Sodann meint »das Sei-