§ 13. Verdeutlichung des Verhältnisses von Grundfrage
der Metaphysik und Vor-frage: Der neue Begriff der
Vor-frage — die vor-läufige und als solche durch und durch
geschichtliche Frage


Wir fragen die Frage: Wie steht es um das Sein? Welches ist der Sinn von Sein? nicht, um eine Ontologie überlieferten Stils aufzustellen oder gar kritisch ihren früheren Versuchen die Fehler vorzurechnen. Es geht um ein ganz Anderes. Es gilt, das geschichtliche Dasein des Menschen und d. h. immer zugleich unser eigenstes künftiges, im Ganzen der uns bestimmten Geschichte in die Macht des ursprünglich zu eröffnenden Seins zurückzufügen; all das freilich nur in den Grenzen, innerhalb derer das Vermögen der Philosophie etwas vermag.

Aus der Grundfrage der Metaphysik: »Warum ist überhaupt Seiendes und nicht vielmehr Nichts?« haben wir die Vor-frage herausgestellt: Wie steht es um das Sein? Das Verhältnis beider Fragen bedarf der Verdeutlichung, denn es ist von eigener Art. Gewöhnlich wird eine Vorfrage vorher und außerhalb der Hauptfrage, wenn auch im Hinblick auf sie erledigt. Philosophische Fragen aber werden grundsätzlich nie so erledigt, als könnte man sie eines Tages ablegen. Die Vorfrage steht hier überhaupt nicht außerhalb der Grundfrage, sondern sie ist das im Fragen der Grundfrage gleichsam glühende Herdfeuer, der Herd alles Fragens. Das will sagen: Für das erste Fragen der Grundfrage kommt alles darauf an, daß wir im Fragen ihrer Vor-irage die entscheidende Grundstellung beziehen und die hier wesentliche Haltung gewinnen und sichern. Deshalb brachten wir die Frage nach dem Sein in den Zusammenhang mit dem Schicksal Europas, worin das Schicksal der Erde entschieden wird, wobei für Europa selbst unser geschichtliches Dasein sich als die Mitte erweist.

Die Frage lautete:

Ist das Sein ein bloßes Wort und seine Bedeutung ein Dunst,