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§17. Wesensmäßige Verschlungenheit von Sein und Sprache

Titeln der Sprachlehre: Indicativ Praesens — Conjunctly Imperfect — Perfect — Imperativ — Particip — Infinitiv. Aber längst sind dies nur noch technische Mittel, nach deren Anweisung man mechanisch die Zerlegung der Sprache vornimmt und Regeln festlegt. Gerade dort, wo ein ursprünglicher Bezug zur Sprache sich regt, spürt man das Tote dieser grammatischen Formen als bloßer Mechanismen. Die Sprache und Sprachbetrachtung hat sich in diesen starren Formen wie in einem Stahlnetz festgefahren. Jene Formbegriffe und Titel der Grammatik werden uns schon in der geistlosen und öden Sprachlehre der [41] Schule zu leeren, völlig unverstandenen und unverständlichen Hülsen.

Es ist gewiß richtig, wenn die Schüler statt dessen von ihren Lehrern etwas über germanische Ur- und Frühgeschichte erfahren. Aber all dieses versinkt alsbald in dieselbe Öde, wenn es nicht gelingt, die geistige Welt für die Schule von innen her und aus dem Grunde umzubauen, d. h. der Schule eine geistige, nicht eine wissenschaftliche Atmosphäre zu verschaffen. Und hierbei ist das erste die wirkliche Revolution des Verhältnisses zur Sprache. Aber dazu müssen wir die Lehrer revolutionieren, und hierfür wiederum muß erst die Universität sich wandeln und ihre Aufgabe begreifen, statt mit Belanglosigkeiten sich aufzublähen. Wir kommen schon gar nicht mehr auf den Gedanken, daß all das, was wir alle längst und genug kennen, anders sein könnte, daß jene grammatischen Formen nicht seit Ewigkeit wie ein Absolutes die Sprache als solche zergliedern und regeln, daß sie vielmehr aus einer ganz bestimmten Auslegung der griechischen und lateinischen Sprache erwachsen sind. All dieses wiederum geschah aufgrund dessen, daß auch die Sprache etwas Seiendes ist, das wie anderes Seiendes in bestimmter Weise zugänglich gemacht und umgrenzt werden kann. Ein solches Unternehmen hängt offensichtlich in der Art seiner Durchführung und Geltung von der hierbei leitenden Grundauffassung des Seins ab.

Die Bestimmung des Wesens der Sprache, schon das Fragen