seiende Sprache vor. Dagegen verfließt die Sprache durch den Fluß der Rede in das Bestandlose. So ist denn bis in unsere Zeit die Sprachlehre grammatisch ausgelegt. Die Griechen wußten indessen auch vom Lautcharakter der Sprache, der φωνή. Sie begründeten Rhetorik und Poetik. [Doch all dies führte nicht von sich aus zur entsprechenden Wesensbestimmung der Sprache.]
a) Der Infinitiv als Nicht-mehr-zum-Vorschein-bringen
dessen, was das Verbum sonst offenbar macht
Die maßgebende Sprachbetrachtung bleibt die grammatische. Sie findet nun unter den Wörtern und ihrer Gestalt solche, die Abweichungen, Abwandlungen von Grundgestalten sind. Die Grundstellung des Hauptwortes (des Substantivs) ist der Nominativ sing.: z. B. ό κύκλος, der Kreis. Die Grundstellung des Verbum ist die erste Person sing. Praes. Indic.; z. B. λέγω, ich sage. Der Infinitiv ist dagegen ein besonderer modus verbi, eine ἔγκλισις. Von welcher Art? Sie gilt es jetzt zu bestimmen. Am besten geschieht dies an einem Beispiel. Eine Form des genannten λέγω ist λέξαιντο, »sie (die betr. Männer) könnten gesagt und angesprochen werden« — z. B. als Verräter. Diese Abwandlung besteht genauer darin, daß die Form eine andere Person (die dritte), eine andere Zahl (nicht Einzahl, sondern Mehrzahl), ein anderes »Genus« (Passivum statt Activum), eine andere Zeit (Aorist statt Praesens), einen anderen modus im engeren Sinne (nicht Indicativ sondern Optativ) zum Vorschein bringt. Das im Wort λέξαιντο Genannte wird nicht als wirklich vorhanden angesprochen, sondern als nur möglicherweise seiend vorgestellt.
All dieses bringt die abgewandelte Wortform mit zum Vorschein, läßt es unmittelbar mitverstehen. Anderes mit zum Vorschein bringen, mit erstehen, mit sehen lassen, darin liegt das Vermögen der ἔγκλισις, worin sich das gerade stehende Wort zur Seite neigt. Sie heißt deshalb ἔγκλισις παρεμφατικός. Das