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§ 25. Einzigartigkeit von Sein und Nichts

Bedeutung. Was bei diesem Wort gedacht wird, der Begriff, ist daher der oberste Gattungsbegriff, das genus. Auf das »ens in genere«, wie die alte Ontologie sagt, kann man zwar gerade noch hinweisen, aber ebenso gewiß ist darin nichts weiter zu suchen. An dieses leere Wort »Sein« gar die entscheidende Frage der Metaphysik knüpfen zu wollen, heißt alles in Verwirrung bringen. Es bleibt hier nur die eine Möglichkeit, die genannte Tatsache der Wortleere anzuerkennen und so auf sich beruhen zu lassen. Wir dürfen dies jetzt anscheinend mit um so ruhigerem Gewissen, als die Tatsache historisch durch die Geschichte der Sprache erklärt ist.


§ 25. Die Einzigartigkeit des »Seins«,
vergleichbar nur dem Nichts


Also weg von dem leeren Schema dieses Wortes »Sein«! Doch wohin? Die Antwort kann nicht schwer fallen.Wir können uns höchstens wundern, daß wir so lange und so umständlich uns beim Wort »Sein« aufgehalten haben. Weg vom leeren, allgemeinen Wort »Sein« und hin zu den Besonderungen der einzelnen Bereiche des Seienden selbst! Für dieses Vorhaben steht uns vielerlei unmittelbar zu Gebote. Die zunächst handgreiflichen Dinge, all das Zeug, was uns stündlich zur Hand ist, Werkzeug, Fahrzeug u. s. f. Wenn uns dieses besondere Seiende zu alltäglich vorkommt, nicht fein und gemütvoll genug für »Metaphysik«, können wir uns an die uns umgebende Natur halten, das Land, das Meer, die Berge, Flüsse, Wälder; und an das einzelne darin: an die Bäume, Vögel und Insekten, Gräser und Steine. Wenn wir es auf gewaltiges Seiendes absehen, dann ist uns die Erde nahe. In gleicher Weise seiend wie die nächste Bergkuppe ist der Mond, der dahinter aufgeht oder ein Planet. Seiend ist das Gemenge und Gedränge der Menschen auf einer belebten Straße. Seiend sind wir selbst. Seiend sind die Japaner. Seiend sind Bach'sche Fugen. Seiend ist das Straßburger