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Frage nach dem. Wesen des Seins

Leere des Wortes am Ende mißtrauisch. Wenn wir uns näher auf das Wort besinnen, dann stellt sich schließlich heraus: Bei aller Verwischung und Vermischung und Allgemeinheit seiner Bedeutung meinen wir dabei etwas Bestimmtes. Dieses Bestimmte ist so bestimmt und einzig in seiner Art, daß wir sogar sagen müssen:

Das Sein, was jedem beliebigen Seienden zukommt und sich so in das Geläufigste verstreut, ist das Einzigartigste, was es überhaupt gibt.

Alles Andere und Sonstige, alles und jegliches Seiende kann noch, auch wenn es einzig ist, mit anderem verglichen werden. Durch diese Vergleichsmöglichkeiten wächst seine Bestimmbarkeit. Es steht aufgrund dieser in einer vielfachen Unbestimmtheit. Das Sein dagegen kann mit nichts sonst verglichen werden. Das Andere zu ihm ist nur das Nichts. Und da gibt es nichts zu vergleichen. Wenn so das Sein das Einzigartigste und Bestimmteste darstellt, dann kann auch das Wort »sein« nicht leer bleiben. Es ist in Wahrheit auch nie leer. Wir überzeugen uns davon leicht durch einen Vergleich. Wenn wir das Wort »sein« vernehmen, indem wir es als Lautgebilde hören oder im Schriftbild sehen, dann gibt es sich doch sogleich anders als die Laut- und Buchstabenfolge »abrakadabra«. Dies ist zwar auch eine Folge von Lauten, aber, so sagen wir hier unvermittelt, sie ist sinnlos, mag sie als Zauberformel ihren Sinn haben. Dagegen ist »sein« in solcher Weise nicht sinnlos. Ebenso ist »sein«, geschrieben und gesehen, sogleich anderes als »kzomil«. Dieses Schriftgebilde ist zwar auch eine Abfolge von Buchstaben, aber eine solche, bei der wir uns nichts denken können. Ein leeres Wort gibt es gar nicht, sondern nur ein vernutztes, das ein erfülltes bleibt. Der Name »Sein« behält seine Nennkraft. Jene Anweisung: »weg von diesem leeren Wort ›Sein‹ und hin zum besonderen Seienden!« ist nicht nur eine übereilte, sondern eine höchst fragwürdige Anweisung. Überlegen wir alles noch einmal an einem Beispiel, das allerdings wie jedes Beispiel, das wir im Umkreis unserer Frage anführen, nie den