85
§ 26. Notwendige Vorgängigkeit des Seinsverständnisses

ganzen Tatbestand in seiner Tragweite verdeutlicht und daher mit Vorbehalten belastet bleibt.


§ 26. Die »Allgemeinheit« des »Seins« und »das Seiende«

als »Besonderes«. Die notwendige Vorgängigkeit des

Seinsverständnisses

Wir setzen statt des allgemeinen Begriffes »Sein« beispielshalber die allgemeine Vorstellung »Baum«. Wenn wir nun sagen und umgrenzen sollen, was das Wesen des Baumes sei, wenden wir uns von der allgemeinen Vorstellung weg und den besonderen Arten von Bäumen und einzelnen Exemplaren dieser Arten zu. Dieses Verfahren ist so selbstverständlich, daß wir uns fast scheuen, es eigens zu erwähnen. Gleichwohl liegt die Sache so einfach doch nicht. Wie sollen wir überhaupt das viel berufene Besondere, die einzelnen Bäume als solche, als Bäume auffinden, wie sollen wir solches, als welches Bäume sind, überhaupt auch nur suchen können, es sei denn, daß uns schon die Vorstellung dessen, was ein Baum überhaupt ist, voranleuchtet? Wenn diese allgemeine Vorstellung »Baum« so gänzlich unbestimmt und verworren wäre, daß sie uns im Suchen und Finden keine sichere Anweisung gäbe, könnte es geschehen, daß wir statt dessen Automobile oder Kaninchen als das bestimmte Besondere, als Beispiele für Baum uns zuspielen. Wenn es auch richtig sein mag, daß wir zur näheren Bestimmung der Wesensmannigfaltigkeit des Wesens »Baum« einen Durchgang durch das Besondere vollziehen müssen, so bleibt doch zum mindesten ebenso richtig, daß die Aufhellung der Wesensmannigfaltigkeit und des Wesens sich nur ins Werk setzt und steigert, je ursprünglicher wir das allgemeine Wesen »Baum«, und d. h. hier das Wesen »Pflanze«, und dies sagt das Wesen »Lebendiges« und »Leben«, vorstellen und wissen. Wir mögen tausende und abertausende von Bäumen absuchen, wenn uns dabei das sich entfaltende Wissen vom Baumhaften nicht voranleuchtet und aus sich und seinem Wesensgrunde