sich nicht zusehends bestimmt, — bleibt alles ein eitles Unterfangen, bei dem wir vor lauter Bäumen den Baum nicht sehen. Nun könnte man aber gerade mit Bezug auf die allgemeine Bedeutung »Sein« erwidern, daß von ihr aus, da sie doch die allgemeinste sei, das Vorstellen nicht mehr zu Höherem hinaufsteigen könne. Bei dem allerhöchsten und allgemeinsten Begriff ist die Anweisung an das, was »unter« ihm steht, nicht nur empfehlenswert, sondern der einzige Ausweg, wenn wir die Leere überwinden wollen.
So schlagend diese Überlegung sich ausnehmen mag, sie ist dennoch unwahr. Zwei Gründe seien genannt:
1. Es ist überhaupt fraglich, ob die Allgemeinheit des Seins eine solche der Gattung (genus) ist. Schon Aristoteles ahnte diese Fraglichkeit. Demzufolge bleibt fraglich, ob einzelnes Seiendes überhaupt je als Beispiel für das Sein gelten kann, so wie diese Eiche für »Baum überhaupt«. Es ist fraglich, ob die Weisen des Seins (Sein als Natur, Sein als Geschichte) »Arten« der Gattung »Sein« darstellen.
2. Das Wort »Sein« ist zwar ein allgemeiner Name und scheinbar ein Wort unter anderen. Aber dieser Schein trügt. Der Name und sein Genanntes ist einzigartig. Deshalb ist jede Veranschaulichung durch Beispiele im Grunde verkehrt; und zwar gerade in der Hinsicht, daß jedes Beispiel in diesem Falle [62] nicht etwa zu viel, sondern immer zu wenig beweist. Wenn oben auf die Notwendigkeit aufmerksam gemacht wurde, daß wir im voraus schon wissen müssen, was »Baum« heißt, um das Besondere der Baumarten und einzelner Bäume als solches suchen und finden zu können, dann gilt dies um so entschiedener vom Sein. Die Notwendigkeit, daß wir das Wort »Sein« schon verstehen, ist die höchste und unvergleichbare. Deshalb folgt aus der »Allgemeinheit« des »Seins« in bezug auf alles Seiende nicht, daß wir uns möglichst rasch von ihr abwenden und uns dem Besonderen zuwenden, vielmehr folgt das Gegenteil, daß wir dabei aushalten und die Einzigartigkeit dieses Namens und seiner Nennung ins Wissen heben.