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Frage nach dem. Wesen des Seins

Aber daraus können wir nicht folgern, daß das Sein nur im Wort und seiner Bedeutung bestehe. Die Wortbedeutung macht doch nicht als Bedeutung das Wesen des Seins aus. Dies würde heißen, das Sein des Seienden, z. B. des genannten Gebäudes, bestehe in einer Wortbedeutung. Dies zu meinen, wäre offensichtlich ungereimt. Vielmehr meinen wir im Wort »Sein«, in dessen Bedeutung, durch sie hindurch, das Sein selbst, nur daß es keine Sache ist, wenn wir unter Sache ein irgendwie Seiendes verstehen.

Hieraus folgt: Am Ende sind beim Wort »Sein« und seinen Abwandlungen und bei allem, was in seinem Wortbereich liegt, Wort und Bedeutung ursprünglicher dem damit Gemeinten verhaftet, aber auch umgekehrt. Das Sein selbst ist in einem ganz anderen und wesentlicheren Sinne auf das Wort angewiesen als jegliches Seiende.

Das Wort »Sein« verhält sich in jeder seiner Abwandlungen wesenhaft anders zum gesagten Sein selbst als alle anderen Haupt- und Zeitwörter der Sprache zu dem in ihnen gesagten Seienden.

Daraus ergibt sich rückwirkend, daß die bereits vollzogenen Erörterungen über das Wort »Sein« von anderer Tragweite sind als sonstige Auslassungen über Wort und Sprachgebrauch bezüglich irgendwelcher Dinge. Wenn nun auch hier beim Wort »Sein« ein ureigener Zusammenhang zwischen Wort, Bedeutung und Sein selbst besteht und die Sache gleichsam fehlt, dürfen wir andererseits doch nicht meinen, es ließe sich aus der Kennzeichnung der Wortbedeutung schon das Wesen des Seins selbst gleichsam herausklauben.