§ 35. Die sieben Leitsätze bezüglich der Unterscheidungen


Wir verfolgen jetzt die Unterscheidungen des Seins gegen Anderes. Dabei sollen wir zwar erfahren, daß uns das Sein entgegen der landläufigen Meinung alles andere denn ein leeres Wort ist, vielmehr so vielseitig bestimmt, daß wir uns kaum zurecht finden, um die Bestimmtheit genügend zu bewahren. Allein, dies genügt nicht. Jene Erfahrung muß zu einer Grunderfahrung unseres künftigen geschichtlichen Daseins entwickelt werden. Damit wir den Vollzug der Unterscheidungen von Anfang an in der rechten Weise mitvollziehen, seien folgende Richtpunkte gegeben:

1. Das Sein wird eingegrenzt gegen Anderes und hat daher in dieser Grenzsetzung schon eine Bestimmtheit.

2. Die Eingrenzung geschieht in vier unter sich aufeinander bezogenen Hinsichten. Demgemäß muß sich die Bestimmtheit des Seins entweder verzweigen und erhöhen oder absinken.

5. Diese Unterscheidungen sind keineswegs zufällig. Was durch sie in einer Geschiedenheit gehalten wird, drängt ursprünglich als zusammengehörig zusammen. Die Scheidungen haben deshalb eine eigene Notwendigkeit.

4. Die zunächst formelhaft anmutenden Entgegensetzungen sind daher auch nicht bei beliebigen Gelegenheiten aufgekommen und gleichsam als Redensarten in die Sprache geraten. Sie entstanden im engen Zusammenhang mit der Prägung des Seins, dessen Offenbarkeit für die Geschichte des Abendlandes maßgebend wurde. Sie haben mit dem Anfang des Fragens der Philosophie angefangen.

5. Die Unterscheidungen sind nicht nur innerhalb der abendländischen Philosophie herrschend geblieben. Sie durchdringen alles Wissen, Tun und Sagen auch da, wo sie nicht eigens oder nicht in diesen Worten ausgesprochen werden.

6. Die aufgezählte Reihenfolge der Titel gibt schon einen