A. Sein und Werden


§ 36. Sein im Gegenhalt zum Werden. Parmenides und
Heraklit: Sein — die innere in sich gesammelte Gediegenheit
des Ständigen


Diese Scheidung und Entgegensetzung stehen am Anfang des Fragens nach dem Sein. Sie ist auch heute noch die geläufigste Beschränkung des Seins durch Anderes; denn sie leuchtet, von einer in das Selbstverständliche verhärteten Vorstellung des Seins her unmittelbar ein. Was wird, ist noch nicht. Was ist, braucht nicht mehr zu werden. Was »ist«, das Seiende, hat alles Werden hinter sich gelassen, wenn es überhaupt je geworden ist und werden konnte. Was »ist« im eigentlichen Sinne, widersteht auch allem Andrang des Werdens.

Weit schauend und der Aufgabe gemäß, hat Parmenides, dessen Zeit in den Übergang vom 6. ins 5. Jahrhundert fällt, denkend-dichtend das Sein des Seienden im Gegenhalt zum Werden herausgestellt. Sein »Lehrgedicht« ist nur in Bruchstücken, allerdings in großen und wesentlichen, überliefert. Hier seien jetzt nur wenige Verse (Fragm. VIII, 1-6) angeführt: μόνος δ'ετι μθθος όδοΐο/λείπεται ώς εστινταύτηι δ'επί σήματ' εασι/ πολλά μάλ', ώς άγένητον έόν καί άνώλεθρόν εστιν, εστι γάρ ούλομελές τε καί άτρεμές ήδ' άτέλεστον οΰδέ ποτ' ήν ούδ' εσται, επεί νΰν εστιν όμοΰ πδν,/εν, συνεχές · /

»Einzig aber noch die Sage des Weges bleibt

(auf dem sich eröffnet), wie es um sein steht; auf diesem

(Weg) es Zeigendes gibt es gar Vieles ;

wie Sein ohne Entstehen und ohne Verderben,

voll-ständig allein da sowohl

als auch in sich ohne Beben und gar nicht erst fertig zu stellen;

auch nicht ehemals war es, auch nicht dereinst wird es sein,

denn als Gegenwart ist es all-zumal, einzig einend einig

sich in sich aus sich sammelnd (zusammenhaltend voll von

Gegenwärtigkeit). «