in der Möglichkeit eines Aussehens, das jenes, was das Seiende in Wahrheit ist, d. h. in der Unverborgenheit, gerade verdeckt und verbirgt. Dieses Ansehen, worein das Seiende jetzt zu stehen kommt, ist der Schein im Sinne des Anscheins. Wo Unverborgenheit des Seienden, da besteht die Möglichkeit des Scheins und umgekehrt: Wo Seiendes im Schein steht und darin seit langem und sicher seinen Stand hat, kann der Schein zerbrechen und zerfallen.
Mit dem Namen δόξα wird Vielfältiges genannt: 1. Ansehen als Ruhm, 2. Ansehen als schlichte Ansicht, die etwas bietet, 3. Ansehen als: nur so aussehen: der »Schein« als bloßer Anschein. 4. Ansicht, die ein Mensch sich bildet, Meinung. Diese Vieldeutigkeit des Wortes ist keine Nachlässigkeit der Sprache, sondern ein tiefgegründetes Spiel innerhalb der gewachsenen Weisheit einer großen Sprache, die wesentliche Züge des Seins im Wort bewahrt. Um hier von Anfang an recht zu sehen, müssen wir uns hüten, den Schein kurzerhand als etwas nur »Eingebildetes«, »Subjektives« zu nehmen und zu verfälschen. Vielmehr gilt: Wie das Erscheinen zum Seienden selbst gehört, so zu ihm auch der Schein.
Denken wir an die Sonne. Sie geht uns täglich auf und unter. Nur die wenigsten Astronomen, Physiker, Philosophen — und auch diese nur aufgrund einer besonderen, mehr oder minder geläufigen Einstellung — erfahren diesen Sachverhalt unmittelbar anders, nämlich als Bewegung der Erde um die Sonne. Der Schein jedoch, in dem Sonne und Erde stehen, z. B. die Morgenfrühe der Landschaft, das Meer am Abend, die Nacht, ist ein Erscheinen. Dieser Schein ist nicht nichts. Er ist auch nicht unwahr. Er ist auch keine bloße Erscheinung eigentlich anders gearteter Verhältnisse in der Natur. Dieser Schein ist geschichtlich und Geschichte, entdeckt und gegründet in der Dichtung und Sage und so ein wesentlicher Bereich unserer Welt.
Nur der überkluge Witz aller Spätlinge und Müdgewordenen meint mit der geschichtlichen Macht des Scheins dadurch fertig zu werden, daß er ihn für »subjektiv« erklärt, wobei das