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Beschränkung des Seins

denn so viel, daß er im Schein steht,

um dann — als ein scheinender — abzubiegen?

(nämlich aus dem Gerade-in-sich-dastehen)



§ 42. Die Zugehörigkeit des Scheins zum Sein als Erscheinen.

Die Irre als die Verschränkung von Sein,

Unverborgenheit und Schein


Bei der Aufhellung des Wesens des Infinitivs war die Rede von solchen Wörtern, die eine εγκλισις darstellen, ein Ab-biegen, Umfallen (casus). Jetzt sehen wir: Das Scheinen ist als eine Abart des Seins dasselbe wie das Umfallen. Es ist eine Abart des Seins im Sinne des Gerade-in-sich-aufrecht-dastehens. Beide Abweichungen vom Sein erhalten ihre Bestimmung aus dem Sein als Ständigkeit des Im-Licht-stehens und d. h. des Erscheinens.

Jetzt muß deutlicher werden: Zum Sein selbst als Erscheinen gehört der Schein. Das Sein ist als Schein nicht minder mächtig denn das Sein als Unverborgenheit. Der Schein geschieht im Seienden selbst mit diesem selbst. Aber der Schein läßt nicht nur Seiendes als solches erscheinen, als welches es eigentlich nicht ist, der Schein verstellt nicht nur das Seiende, dessen Schein er ist, sondern er verdeckt sich dabei selbst als Schein, insofern er sich als Sein zeigt. Weil so der Schein sich selbst wesenhaft im Verdecken und Verstellen verstellt, deshalb sagen wir mit Recht: der Schein trügt. Dieser Trug liegt am Schein selbst. Nur deshalb, weil der Schein selbst trügt, kann er den Menschen betrügen und ihn dadurch in eine Täuschung versetzen. Das Sichtäuschen aber ist nur eine unter anderen Weisen, gemäß denen der Mensch in der verschränkten Dreiwelt von Sein, Unverborgenheit und Schein sich bewegt.

Den Raum gleichsam, der sich in der Verschränkung von Sein, Unverborgenheit und Schein eröffnet, verstehe ich als die Irre. Schein, Trug, Täuschung, Irre stehen in bestimmten We-