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§ 43. Eröffnen der drei Wege (Parmenides)

sens- und Geschehensverhältnissen, die uns durch Psychologie und Erkenntnislehre seit langem mißdeutet sind, die wir im alltäglichen Dasein daher kaum noch in der gemäßen Durchsichtigkeit als Mächte erfahren und anerkennen.

Zunächst galt es, einsichtig zu machen, wie auf dem Grunde der griechischen Auslegung des Seins als φύσις und nur von daher sowohl die Wahrheit im Sinne der Unverborgenheit als auch der Schein als eine bestimmte Weise des aufgehenden Sichzeigens notwendig zum Sein gehören.


§ 43. Das Denken im Anfang der Philosophie (Parmenides)
als das Eröffnen der drei Wege: zum Sein und in die
Unverborgenheit, zum Nichtsein, zum Schein


Weil Sein und Schein zusammengehören und als Zusammengehörende stets beieinander sind und im Beieinander immer auch den Wechsel von einem zum anderen und damit die ständige Verwirrung und aus dieser die Möglichkeit der Verirrung und Verwechslung anbieten, deshalb mußte im Anfang der Philosophie, d. h. bei der ersten Eröffnung des Seins des Seienden, die Hauptanstrengung des Denkens darin bestehen, die Not des Seins im Schein zu bändigen, das Sein gegen den Schein zu unterscheiden. Dies wiederum verlangt, die Wahrheit als Unverborgenheit gegen die Verborgenheit, das Entbergen gegen das Verbergen als Verdecken und Verstellen zum Vorrang zu bringen. Indem aber Sein gegen Anderes unterschieden und als φύσις verfestigt werden muß, vollzieht sich die Unterscheidung des Seins gegen das Nichtsein, zugleich aber auch die Unterscheidung von Nichtsein und Schein. Beide Unterschiede decken sich nicht.

Weil es mit Sein, Unverborgenheit, Schein und Nichtsein so steht, sind für den Menschen, der sich inmitten des sich eröffnenden Seins hält und immer aus solcher Haltung heraus sich so und so zum Seienden verhält, drei Wege notwendig. Der Mensch muß, soll er sein Dasein in der Helle des Seins übernehmen,