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§ 43. Eröffnen der drei Wege (Parmenides)

Darum muß das Scheinen zugleich als bloßer Schein herausgestellt werden und dieses immer wieder.

Der Dreiweg gibt die in sich einheitliche Anweisung:

Der Weg zum Sein ist unumgänglich.

Der Weg zum Nichts ist unzugänglich.

Der Weg zum Schein ist stets zugänglich und begangen, aber umgehbar.

Ein wahrhaft wissender Mann ist deshalb nicht jener, der blindlings einer Wahrheit nachläuft, sondern nur jener, der ständig alle drei Wege, den des Seins, den des Nichtseins und den des Scheins weiß. Überlegenes Wissen, und jedes Wissen ist Überlegenheit, wird nur dem geschenkt, der den beflügelnden Sturm auf dem Weg des Seins erfahren hat, dem der Schrecken des zweiten Weges zum Abgrund des Nichts nicht fremd geblieben ist, der jedoch den dritten Weg, den des Scheins, als ständige Not übernommen hat.

Zu diesem Wissen gehört das, was die Griechen in ihrer großen Zeit τόλμα nannten: mit dem Sein, dem Nichtsein und dem Schein es in einem zumal wagen, d. h. das Dasein über sich bringen in die Ent-scheidung von Sein, Nichtsein und Schein. Aus solcher Grundstellung zum Sein sagt einer ihrer größten Dichter, Pindar (Nemea III, 70) : έν δὲ πείρςι τέλος διαφαίνεται: in der wagenden Erprobung inmitten des Seienden bringt sich die Vollendung zum Vorschein, die Ergrenzung des zum Stand Gebrachten und Gekommenen, d. h. das Sein.

Hier spricht dieselbe Grundstellung, die aus dem schon angeführten Wort des Heraklit über den πόλεμος hervorleuchtet. Die Aus-einander-setzung, d. h. nicht bloßes Gezänk und Hader, sondern der Streit der Streitbaren, setzt Wesentliches und Unwesentliches, Hohes und Niedriges in seine Grenzen und bringt es zum Vorschein.

Unausschöpfbar für die Bewunderung ist nicht nur die gewachsene Sicherheit dieser Grundstellung zum Sein, sondern zugleich der Reichtum ihrer Gestaltung im Wort und im Stein. Wir beschließen die Aufhellung des Gegensatzes, d. h. zu-