126
Beschränkung des Seins

dem an die dritte Stelle gesetzt. Wir versuchen zunächst, auch sie auf dieselbe Weise wie die vorigen in ihrem Gehalt aufzuhellen.



§ 46. Die Umgrenzung des »Denkens«.

Denken als Vor-stellen


Wir beginnen wieder mit einer allgemeinen Kennzeichnung dessen, was jetzt dem Sein entgegensteht.

Was heißt Denken? Man sagt: »Der Mensch denkt und Gott lenkt.« Denken meint hier: dies und jenes ersinnen, planen; auf dieses und jenes denken besagt: es darauf absehen. »Böses denken« meint: solches vorhaben; an etwas denken heißt: es nicht vergessen. Denken bedeutet hier das Andenken und das Gedenken. Wir gebrauchen die Redewendung: sich etwas nur denken, d. h. ausmalen, einbilden. Jemand sagt: ich denke, die Sache glückt, d. h. mich dünkt es so, ich bin der Ansicht und hege die Meinung. Denken in einem betonten Sinne heißt: nach-denken, etwas, eine Lage, einen Plan, ein Ereignis überlegen. »Denken« gilt auch als Titel für Arbeit und Werk dessen, den wir einen »Denker« nennen. Zwar denken alle Menschen im Unterschied zum Tier, aber nicht jeder ist ein Denker. Was entnehmen wir aus diesem Sprachgebrauch? Das Denken bezieht sich auf Künftiges sowohl wie auf Gewesenes, aber auch auf das Gegenwärtige. Das Denken bringt etwas vor uns hin, stellt es vor. Dieses Vor-stellen geht jeweils von uns aus, ist ein freies Schalten und Walten, aber kein willkürliches, sondern ein gebundenes, dadurch nämlich, daß wir vor-stellend das Vorgestellte bedenken und durchdenken, indem wir es zergliedern, auseinander- und wieder zusammenlegen. Denkend stellen wir aber nicht nur von uns aus etwas vor uns hin, wir zergliedern es auch nicht nur, damit es zerlegt sei, sondern nachdenkend folgen wir dem Vorgestellten. Wir nehmen es nicht einfach hin, wie es uns gerade zufällt, sondern wir ma-