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Beschränkung des Seins

noch keinen zureichenden Begriff vom Denken gewonnen haben. Doch woher können wir einen solchen nehmen?

Wenn wir dies fragen, tun wir so, als gäbe es seit Jahrhunderten keine »Logik«. Sie ist die Wissenschaft vom Denken, die Lehre von den Regeln des Denkens und den Formen des Gedachten.

Sie ist außerdem die Wissenschaft und das Lehrstück im Rahmen der Philosophie, worin die weltanschaulichen Standpunkte und Richtungen kaum eine oder gar keine Rolle spielen. Außerdem gilt die Logik als eine sichere und vertrauenswürdige Wissenschaft. Von altersher lehrt sie dasselbe. Der eine stellt zwar die einzelnen überlieferten Lehrstücke hinsichtlich ihres Aufbaues und der Reihenfolge um; der andere läßt dieses und jenes weg; ein anderer bringt Zusätze aus der Erkenntnistheorie an, ein anderer unterbaut alles durch Psychologie. Im ganzen herrscht eine erfreuliche Übereinstimmung. Die Logik enthebt uns aller Mühe, umständlich nach dem Wesen des Denkens zu fragen.

Indessen möchten wir doch noch eine Frage vorbringen. Was heißt »Logik«? Der Titel ist ein verkürzter Ausdruck für έπιστήμη λογική, Wissenschaft vom λόγος. Und λόγος meint hier die Aussage. Die Logik soll aber doch die Lehre vom Denken sein. Warum ist die Logik die Wissenschaft von der Aussage? Weshalb wird das Denken von der Aussage her bestimmt? Dies versteht sich ganz und gar nicht von selbst. Wir haben vorher das »Denken« ohne Bezugnahme auf Aussage und Rede erläutert. Die Besinnung auf das Wesen des Denkens ist demnach eine ganz eigenartige, wenn sie als Besinnung auf den λόγος ins Werk gesetzt und so zur Logik wird. »Die Logik« und »das Logische« sind durchaus nicht ohne weiteres und so, als wäre schlechterdings nichts anderes möglich, die Weisen einer Bestimmung des Denkens. Andererseits kam es auch nicht durch einen Zufall dahin, daß die Lehre vom Denken zur »Logik« wurde.

Wie immer es damit bestellt sein mag, die Berufung auf die