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§ 47. »Die Logik« und ihre Herkunft

Logik zu Zwecken der Umgrenzung des Wesens des Denkens ist schon deshalb ein fragliches Unternehmen, weil die Logik als solche etwas Fragwürdiges bleibt, nicht nur einzelne ihrer Lehrstücke und Theorien. Deshalb muß »die Logik« in Anführungszeichen gesetzt werden. Dies geschieht nicht deshalb, weil wir »das Logische« (im Sinne des recht Gedachten) verleugnen wollen. Wir suchen im Dienste des Denkens gerade jenes zu gewinnen, von woher sich das Wesen des Denkens bestimmt, die ἀλήθεια und die φύσις, das Sein als Unverborgenheit, jenes, was durch die »Logik« gerade verloren ging.

Seit wann gibt es denn die Logik, die auch heute noch unser Denken und Sagen beherrscht und von früh an die grammatische Auffassung der Sprache und somit die abendländische Grundstellung zur Sprache überhaupt wesentlich mitbestimmt? Seit wann fängt die Ausbildung der Logik an? Seitdem es mit der griechischen Philosophie zu Ende geht und sie eine Angelegenheit der Schule, der Organisation und der Technik wird. Dies beginnt, seitdem das έόν, das Sein des Seienden, als ἰδέα erscheint und als diese zum »Gegen-stand« der έπιστήμη wird. Die Logik ist im Umkreis des Schulbetriebes der platonischaristotelischen Schulen entstanden. Die Logik ist eine Erfindung der Schullehrer, nicht der Philosophen. Und wo die Philosophen sich ihrer bemächtigen, geschah es stets aus ursprünglicheren Antrieben, nicht im Interesse der Logik. Es ist auch kein Zufall, daß die entscheidenden großen Anstrengungen zur Überwindung der überlieferten Logik von drei deutschen Denkern gemacht wurden und zwar von den größten, von Leibniz, Kant und Hegel.

Die Logik konnte als Herausstellung des Formenbaues des Denkens und als Aufstellung seiner Regeln erst entstehen, nachdem die Scheidung zwischen Sein und Denken bereits vollzogen war und zwar in einer bestimmten Weise und nach einer besonderen Hinsicht. Daher kann die Logik selbst und ihre Geschichte über das Wesen dieser Scheidung von Sein und Denken und deren Ursprung niemals eine zureichende Aufklärung