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§ 48. λόγος und λέγειν

in das Bisherige aber, die teils aus natürlicher Trägheit, teils aus bewußter Betreibung stammt, wird jetzt der Nährboden für die politische. Die Mißdeutung des Denkens und der Mißbrauch des mißdeuteten Denkens können nur durch ein echtes und ursprüngliches Denken überwunden werden und durch nichts anderes. Die Neugründung eines solchen verlangt vor allem anderen den Rückgang auf die Frage nach dem Wesensbezug des Denkens zum Sein, d. h. aber die Entfaltung der Frage nach dem Sein als solchem. Überwindung der überlieferten Logik heißt nicht Abschaffung des Denkens und Herrschaft bloßer Gefühle, sondern heißt ursprünglicheres, strengeres, dem Sein zugehöriges Denken.



§ 48. Die ursprüngliche Bedeutung von

λόγος und λέγειν


Nach dieser allgemeinen Kennzeichnung der Scheidung von Sein und Denken fragen wir jetzt bestimmter:

1. Wie west die ursprüngliche Einheit von Sein und Denken als die von φύσις und λόγος?

2. Wie geschieht das ursprüngliche Auseinandertreten von λόγος und φύσις?

3. Wie kommt es zum Heraustreten und Auftreten des λόγος? 4. Wie wird der λόγος (das »Logische«) zum Wesen des Denkens?

5. Wie kommt dieser λόγος als Vernunft und Verstand zur Herrschaft über das Sein im Anfang der griechischen Philosophie?

Entsprechend den vorausgeschickten sieben Leitsätzen (vgl. ob. S. 101 f.) verfolgen wir diese Scheidung wieder in ihrem geschichtlichen, d. h. zugleich wesensmäßigen Ursprung. Dabei halten wir fest: Das Auseinandertreten von Sein und Denken muß, wenn es ein inneres, notwendiges ist, in einer ursprünglichen Zugehörigkeit des Geschiedenen gründen. Unsere Frage