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§ 48. λόγος und λέγειν

(Entsprechung) finden "wir sogar beide Bedeutungen beieinander: die ursprüngliche von »Verhältnis«, »Beziehung« und die von »Sprache«, »Rede«, wobei wir im Wort »Entsprechung« kaum mehr an »Sprechen« denken, »entsprechend« wie umgekehrt die Griechen bei λόγος noch nicht und nicht notwendig an »Rede« und »sagen« dachten.

Als Beispiel für die ursprüngliche Bedeutung von λεγειν als »sammeln« diene eine Stelle aus Homer, Odyssee XXIV, 106. Hier handelt es sich um die Begegnung der erschlagenen Freier mit Agamemnon in der Unterwelt; dieser erkennt sie und spricht sie also an:

»Amphimedon, nach welcher Fährnis seid ihr hinab getaucht in das Dunkel der Erde, alle ausgezeichnet und gleichaltrig; und kaum anders könnte einer auf der Suche durch eine Polis hin so edle Männer zusammenbringen (λέξαιτο)«.

Aristoteles sagt Physik Θ 1, 252 a 13: τάξις δὲ πᾶσα λόγος, »jede Ordnung aber hat den Charakter des Zusammenbringens «.

Wir verfolgen jetzt noch nicht, wie das Wort von der ursprünglichen Bedeutung, die zunächst mit Sprache und Wort und Rede nichts zu tun hat, zur Bedeutung von sagen und Rede kommt. Wir erinnern hier nur daran, daß der Name λόγος auch dann noch, als er längst Rede und Aussage bedeutete, seine ursprüngliche Bedeutung behalten hat, indem er das »Verhältnis des einen zum anderen« bedeutet.

Wenn wir die Grundbedeutung von λόγος, Sammlung, sammeln bedenken, dann haben wir damit noch wenig für die Aufhellung der Frage gewonnen: Inwiefern sind für die Griechen Sein und Logos ursprünglich einig dasselbe, so daß sie in der Folge auseinander treten können und nach bestimmten Gründen dies müssen?

Der Hinweis auf die Grundbedeutung von λόγος kann uns nur dann einen Fingerzeig geben, wenn wir schon verstehen, was den Griechen »Sein« besagt: φύσις. Um das Verständnis des griechisch gemeinten Seins haben wir uns nicht nur im allgemeinen