versuchen dies jetzt im Anschluß an Parmenides. Es geschieht mit Absicht, weil die geläufige Meinung dahin geht, die Lehre vom Logos sei, wie immer man sie auslegen möge, eine Besonderheit der Philosophie des Heraklit.
Parmenides teilt mit Heraklit denselben Standort. Wo sollen diese beiden griechischen Denker, die Stifter alles Denkertums, auch anders stehen als im Sein des Seienden? Auch für Parmenides ist das Sein das ἕν, ξυνεχές, das sich in sich zusammenhaltende, μοΰνον, einzig einigende, οΰλον, das voll-ständige, das ständig sich zeigende Walten, durch das ständig auch der Schein des Ein- und Vielseitigen hindurchscheint. Deshalb führt der unumgängliche Weg zum Sein durch die Unverborgenheit und bleibt doch stets ein Dreiweg.
Aber wo ist bei Parmenides vom λόγος die Rede? Wo gar von dem, was wir jetzt suchen, vom Auseinandertreten des Seins und des Logos? Wenn wir bei Parmenides in dieser Hinsicht überhaupt etwas finden, dann zeigt sich uns, so scheint es, genau das Gegenteil eines Auseinandertretens. Überliefert ist uns ein Satz, den Parmenides in zwei Fassungen ausspricht und den das Frg. 5 also faßt: τὸ γάρ αὐτὸ νοεῖν έατίν τε καὶ εἶναι. Roh und nach der längst gewohnten Weise übersetzt, sagt dies: »Dasselbe aber ist das Denken und das Sein«. Die Mißdeutung dieses vielgenannten Satzes ins Ungriechische ist kaum geringer als die Umfälschung der Logoslehre des Heraklit.
Man versteht νοεῖν als Denken, das Denken als Tätigkeit des Subjekts. Das Denken des Subjekts bestimmt, was Sein ist. Sein ist nichts anderes als das Gedachte des Denkens. Da nun das Denken eine subjektive Tätigkeit bleibt, Denken und Sein nach Parmenides dasselbe sein sollen, wird alles subjektiv. Es gibt kein an sich Seiendes. Eine solche Lehre aber, so erzählt man, finde sich bei Kant und im Deutschen Idealismus. Parmenides hat deren Lehren im Grunde schon vorweggenommen. Er wird ob dieser fortschrittlichen Leistung auch belobigt, zumal im Vergleich mit Aristoteles, einem späteren griechischen Denker. Aristoteles hat im Gegensatz zum Idealismus Platons einen