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Beschränkung des Seins

§ 51. Die Bestimmung des Menschseins aus dem Wesen
des Seins selbst im Spruch des Parmenides:
Das Geschehnis der Wesenszugehörigkeit von Sein und Vernehmung


Zunächst sagt der Satz nichts über den Menschen, erst recht nichts vom Menschen als Subjekt und vollends nichts von einem Subjekt, das alles Objektive zu etwas bloß Subjektivem aufhebt. Der Satz sagt von alldem das Gegenteil: Sein waltet, aber weil es waltet und sofern es waltet und erscheint, geschieht notwendig mit Erscheinung auch Vernehmung. Soll aber nun am Geschehnis dieser Erscheinung und Vernehmung der Mensch beteiligt sein, dann muß der Mensch allerdings selbst sein, zum Sein gehören. Das Wesen und die Weise des Menschseins kann sich dann aber nur aus dem Wesen des Seins bestimmen.

Wenn jedoch zum Sein als φύσις das Erscheinen gehört, muß der Mensch als Seiender diesem Erscheinen zugehören. Da wiederum das Menschsein inmitten des Seienden im Ganzen offenbar ein eigenes Sein ausmacht, wird die Eigenheit des Menschseins aus der Eigenart seiner Zugehörigkeit zum Sein 107 als dem waltenden Erscheinen erwachsen. Insofern nun aber zu solchem Erscheinen Vernehmung gehört, hinnehmendes Vernehmen dessen, was sich zeigt, läßt sich vermuten, daß gerade von hier aus das Wesen des Menschseins sich bestimmt. Wir dürfen daher bei der Auslegung jenes Satzes des Parmenides nicht so verfahren, daß wir irgendeine spätere oder gar heutige Vorstellung vom Menschsein herzutragen und in den Satz hineindeuten. Der Satz muß von sich aus umgekehrt uns erst die Anweisung geben, wie ihm zufolge, und d. h. dem Wesen des Seins zufolge, sich nun auch das Menschsein bestimmt.

Wer der Mensch sei, das tritt nach dem Wort des Heraklit erst heraus (ἔδειξε, zeigt sich) im πόλεμος, im Auseinandertreten von Göttern und Menschen, im Geschehnis des Einbruchs des Seins selbst. Wer der Mensch sei, das ist für die Philosophie nicht irgendwo an den Himmel geschrieben. Vielmehr gilt hier: