1. Die Bestimmung des Wesens des Menschen ist nie Antwort, sondern wesentlich Frage.
2. Das Fragen dieser Frage und ihre Entscheidung ist geschichtlich, nicht nur überhaupt, sondern das Wesen der Geschichte.
3. Die Frage, wer der Mensch sei, muß immer im Wesenszusammenhang mit der Frage gestellt werden, wie es mit dem Sein steht. Die Frage nach dem Menschen ist keine anthropologische, sondern eine geschichtlich meta-physische. [Die Frage läßt sich im Bereich der überlieferten Metaphysik, die wesentlich »Physik« bleibt, nicht zureichend fragen.]
Deshalb dürfen wir, was im Satz des Parmenides νοίς und νοεῖν heißt, nicht nach einem von uns mitgebrachten Begriff vom Menschen mißdeuten, sondern wir müssen erfahren lernen, daß sich erst aus dem Geschehnis der Wesenszugehörigkeit von Sein und Vernehmung das Sein des Menschen bestimmt.
Was ist der Mensch, in diesem Walten von Sein und Vernehmung? Der Beginn des Frg. 6, das wir bereits kennen lernten, gibt uns die Antwort: χρὴ τὸ λέγειν τε νοεῖν τ'ἐὸν ἔμμεναι: Not ist das λέγειν sowohl als auch die Vernehmung, nämlich des Seiend in dessen Sein [vgl. S. 119, 177 u. 181].
Das νοεῖν dürfen wir hier überhaupt noch nicht als Denken fassen. Es genügt auch nicht, wenn wir es als Vernehmung begreifen, solange wir »Vernehmung« dann doch wieder unwissentlich und wie uns geläufig als ein Vermögen, als eine Verhaltungsweise des Menschen nehmen, des Menschen, den wir uns nach einer leeren und blassen Biologie und Psychologie oder Erkenntnistheorie vorstellen. Dies geschieht auch dann, wenn wir uns nicht eigens auf solche Vorstellungen berufen.
Vernehmung und das, was der Satz des Parmenides von ihr 108 sagt, ist nicht ein Vermögen des sonst schon bestimmten Menschen, sondern Vernehmung ist ein Geschehen, worin geschehend der Mensch erst als der Seiende in die Geschichte tritt, erscheint, d. h. [im wörtlichen Sinne] selbst zum Sein kommt.