allgemeinere Überlegungen durch. Sodann versuchen wir die Einzelauslegung des Spruches.
In dem dichterisch gesagten Wechselbezug von δίκη und τέχνη steht δίκη für das Sein des Seienden im Ganzen. Schon zeitlich vor Sophokles stoßen wir im Denken der Griechen auf diese Verwendung des Wortes. Der älteste uns überlieferte Spruch, der des Anaximander, sagt vom Sein im Wesenszusammenhang mit der δίκη.
Desgleichen nennt Heraklit die δίκη dort, wo er Wesentliches über das Sein bestimmt. Das Fragment 80 beginnt: εἰδέναι δὲ χρὴ τὸν πόλεμον ἐόντα ξυνὸν καὶ δίκην ἔριν …, »imBlick aber zu behalten, not ist, die Aus-einander-setzung wesend als zusammenbringend und Fug als Gegenwendiges …«. Δίκη gehört als das fügende Gefüge in das gegenwendige Aus-einander-setzen, als welches die φύσις, aufgehend, das Erscheinende scheinen (anwesen) läßt und so als Sein west (vgl. Frg. 23 und 28).
Schließlich bleibt Parmenides selbst für den denkerischen Gebrauch des Wortes δίκη im Sagen vom Sein ein maßgebender Zeuge. Δίκη ist ihm die Göttin. Sie verwahrt die wechselweise schließenden und öffnenden Schlüssel zu den Toren des Tages und der Nacht, d. h. zu den Wegen des (enthüllenden) Seins, des (verstellenden) Scheins und des (verschlossenen) Nichts. Dies will sagen: Das Seiende eröffnet sich nur, indem der Fug des Seins gewahrt und bewahrt wird. Das Sein ist als δίκη der Schlüssel zum Seienden in seinem Gefüge. Dieser Sinn von δίκη läßt sich unzweideutig aus den dreißig gewaltigen Eingangsversen des »Lehrgedichtes« des Parmenides entnehmen, die uns geschlossen erhalten sind. So wird deutlich: Das dichterische und das denkerische Sagen vom Sein nennen, d. h. stiften und umgrenzen dieses mit demselben Wort δίκη.
Das andere, was im allgemeinen zum Erweis unserer Behauptung anzuführen bleibt, ist folgendes. Früher wurde schon darauf verwiesen, wie in der Vernehmung als dem hin-nehmenden Vor-nehmen das Seiende als solches aufgeschlossen wird und so in die Unverborgenheit her-vor-kommt. Der Andrang