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Beschränkung des Seins

der τέχνη gegen die δίκη ist für den Dichter jenes Geschehen, durch das der Mensch unheimisch wird. In solcher Heraussetzung aus dem Heimischen erschließt sich das Heimische erst als ein solches. In einem damit und nur so erschließt sich aber auch erst das Befremdliche, das Überwältigende als ein solches. Im Geschehnis der Unheimlichkeit eröffnet sich somit das Seiende im Ganzen. Diese Eröffnung ist das Geschehen der Unverborgenheit. Diese ist nichts anderes als das Geschehnis der Unheimlichkeit. [128]

Gewiß, werden wir entgegnen, gilt dies von dem, was der Dichter sagt. Doch was wir im nüchternen Spruch des Parmenides vermissen, ist die gekennzeichnete Unheimlichkeit.

Daher gilt es jetzt, die Nüchternheit des Denkens in ihrem wahren Lichte zu zeigen. Dies geschehe durch die Einzelauslegung des Spruches. Im voraus sagen wir: Wenn sich zeigen sollte, daß die Vernehmung in ihrer Zusammengehörigkeit mit dem Sein (δίκη) solches ist, was Gewalt braucht und als Gewalt-tätigkeit eine Not ist und als Not nur in der Notwendigkeit eines Kampfes [im Sinne von πόλεμος und ἕρις] bestanden wird, wenn überdies im Verlauf dieses Nachweises sich zugleich zeigt, daß die Vernehmung ausdrücklich im Zusammenhang mit dem Logos steht und dieser Logos sich als der Grund des Menschseins erweist, dann hat unsere Behauptung von der inneren Verwandtschaft des denkerischen Spruches und des dichterischen Sagens ihre Begründung erhalten.

Wir zeigen dreierlei:

1. Die Vernehmung ist kein bloßer Vorgang, sondern Ent-scheidung.

2. Die Vernehmung steht in einer inneren Wesensgemeinschaft mit dem Logos. Dieser ist eine Not.

3. Der Logos begründet das Wesen der Sprache. Er ist als solcher ein Kampf und der gründende Grund des geschichtlichen Daseins des Menschen inmitten des Seienden im Ganzen. Zu 1. Das νοεῖν, die Vernehmung, ist in ihrem Wesen noch nicht zureichend begriffen, wenn wir lediglich vermeiden, sie


Martin Heidegger (GA 40) Einführung in die Metaphysik