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Beschränkung des Seins

Die Stelle lautet (VIII, 34-36) :

»In sich zusammengehörig ist Vernehmung und das, worumwillen Vernehmung geschieht. Nicht nämlich ohne das Seiend, in welchem es (das Sein) schon gesprochen ist, wirst du finden (erreichen) die Vernehmung.« Der Bezug zum Logos als φύσις macht das λέγειν zur vernehmenden Sammlung, die Vernehmung aber zur versammelnden. Darum muß sich das λέγειν, um selbst gesammelt zu bleiben, von allem bloßen Hersagen, vom Mundwerk und der Zungenfertigkeit abkehren. So finden wir denn bei Parmenides die scharfe Entgegensetzung von λόγος und γλῶσσα (Frg. VII, v. 3 ff.). Die Stelle entspricht dem Beginn von Frg. 6, wo in bezug auf das Einschlagen des ersten unumgänglichen Weges zum Sein gesagt wird, not sei, sich zu sammeln auf das Sein des Seiend. Jetzt handelt es sich um die Anweisung für das Begehen des dritten Weges in den Schein. Er führt durch das immer auch im Anschein stehende Seiende. Er ist der gewöhnliche. Deshalb muß sich der wissende Mann ständig von diesem Weg in das λέγειν und νοεῖν des Seins des Seiend zurückreißen: [133]

»und gar nicht soll dich die recht gerissene Gewohnheit in die Richtung dieses Weges zwingen,

daß du dich verlierst im nicht-sehenden Gaffen und im lärm- vollen Hören

und in der Zungenfertigkeit, sondern entscheide scheidend, indem du in eins gesammelt vor dich hinstellst die Aufweisung des vielfachen Widerstreits,

die von mir gegeben.«

Λόγος steht hier im engsten Verband mit κρίνειν, dem Scheiden als Ent-scheiden im Vollzug der Sammlung auf die Gesammeltheit des Seins. Das auslesende »Lesen« begründet und trägt den Verfolg des Seins und die Abwehr des Scheins. In der Bedeutung des κρίνειν schwingt mit: auslesen, abheben, die rangbestimmende Maßgabe.

Durch diesen dreifachen Hinweis ist die Auslegung des Spruches so weit geführt, daß ersichtlich wird: Auch Parmenides