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§ 54. Die anfängliche Auslegung des Wesens des Menschen 185

handelt in der Tat in wesentlichen Hinsichten vom Logos. Der Logos ist eine Not und braucht in sich Gewalt zur Abwehr des Mundwerks und der Zerstreuung. Der Logos tritt als λέγειν der φύσις gegenüber. In diesem Auseinandertreten wird der Logos als Geschehnis der Sammlung zum Grund, der das Menschsein begründet. Deshalb konnten wir sagen: In dem Spruch vollzieht sich allererst die entscheidende Bestimmung des Wesens des Menschen. Menschsein heißt: die Sammlung, das sammelnde Vernehmen des Seins des Seienden, das wissende Ins-Werk-setzen des Erscheinens übernehmen und so die Unverborgenheit verwalten, sie gegen Verborgenheit und Verdeckung bewahren.

So wird bereits am Anfang der abendländischen Philosophie sichtbar, wie die Frage nach dem Sein notwendig die Gründung des Daseins einschließt.

Dieser Zusammenhang von Sein und Dasein (und das entsprechende Fragen nach ihm) wird durch den Hinweis auf erkenntnistheoretische Fragestellungen überhaupt nicht getroffen, so wenig wie durch die äußerliche Feststellung, jede Auffassung des Seins sei von einer solchen des Daseins abhängig. [Wenn gar die Frage nach dem Sein nicht nur das Sein des Seienden sucht, sondern das Sein selbst in dessen Wesen, dann bedarf es vollends und ausdrücklich einer von dieser Frage aus geleiteten Gründung des Daseins, die sich darum und nur darum den Namen »Fundamentalontologie« gab. Vgl. Sein und Zeit, Einleitung.]


§ 54. Die anfängliche Auslegung des Wesens des Menschen als φύσις = λόγος ανθρωπον ἔχων im Unterschied zur späteren Formel: ἄνθρωπος = ζῷον λόγον ἔχων


Diese anfängliche Eröffnung des Wesens des Menschseins nennen wir entscheidend. Allein, sie wurde als der große Anfang nicht bewahrt und festgehalten. Sie hatte etwas ganz anderes