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§ 55. Wandel von φίισις und λόγος

Seins das Dasein zur Stätte seines Erscheinens ver-gewaltigt (wörtlich genommen) und als diese Stätte umwaltet und durchwaltet und damit im Sein einbehält.


§ 55. Das Auseinandertreten von λόγος und φύσις und der Vorrang des λόγος gegenüber dem Sein. Der λόγος wird zum Gerichtshofüber das Sein, die φύσις wird zur οὐσία


Ein Auseinandertreten von λόγος und φύσις geschieht. Aber dies ist noch kein Heraustreten des Logos. Das will sagen: Der Logos tritt dem Sein des Seienden noch nicht so gegenüber und tritt ihm »gegenüber « noch nicht so auf, daß er sich selbst [als Vernunft] zum Gerichtshof über das Sein macht und die Bestimmung des Seins des Seienden übernimmt und regelt.

Dahin kommt es erst und nur dadurch, daß der Logos sein anfängliches Wesen aufgibt, insofern das Sein als φύσις verdeckt und umgedeutet wird. Demzufolge wandelt sich das Dasein des Menschen. Das langsame Ende dieser Geschichte, in dem wir seit langem mitten innestehen, ist die Herrschaft des Denkens als ratio (als Verstand sowohl wie als Vernunft) über das Sein des Seienden. Von hier aus beginnt das Wechselspiel zwischen »Rationalismus und Irrationalismus«, das sich bis zur Stunde in allen möglichen Verkleidungen und unter den widersprechendsten Titeln abspielt. Der Irrationalismus ist nur die offenkundig gewordene Schwäche und das vollendete Versagen des Rationalismus und damit selbst ein solcher. Irrationalismus ist ein Ausweg aus dem Rationalismus, welcher Ausweg nicht ins Freie führt, sondern nur noch mehr in den Rationalismus verstrickt, weil dabei die Meinung erweckt wird, dieser sei durch bloßes Neinsagen überwunden, während er jetzt nur gefährlicher, weil verdeckt und ungestörter seine Spiele treibt.

Es gehört nicht in die Aufgabe dieser Vorlesung, die innere Geschichte darzustellen, in der sich die Ausbildung der Herrschaft